KFZ-OSZILLOSKOP-KOMPENDIUM

Lern- und Diagnoseunterlage für die Werkstatt: Messkarten mit Einstellungen, Gut- und Fehlerbildern, Ursachen und Lösungen. Offline nutzbar, für Smartphone optimiert.

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So nutzt du das Kompendium

  • Messkarten: pro Bauteil alles auf einen Blick – Einstellungen, Messpunkte, Vorgehen, Gut-/Fehlerbilder mit Umschaltung, Ursachen, Lösungen, Gegenprüfung.
  • Modus-Schalter oben rechts: AllesEinsteiger (nur einfache Erklärungen) → Profi (nur Tiefenwissen).
  • Suche findet Messkarten, Kapitel, Glossarbegriffe und Fehlercodes.
  • Filter auf der Messkarten-Seite: nach Bauteilgruppe, Signalart und Schwierigkeitsgrad.
Wichtig: Alle Signalbilder in dieser Unterlage sind schematisch (im Bild gekennzeichnet). Sie zeigen die charakteristische Form realer Signale, aber keine fahrzeugspezifischen Absolutwerte. Richtwerte können je nach Hersteller, System, Motorsteuergerät und Messgerät abweichen. Herstellerdaten und Stromlaufplan haben Vorrang.
Sicherheit zuerst: Vor der ersten Messung das Kapitel Sicherheit lesen – insbesondere zu Airbag/PSI5, Hochvolt, Zündanlage und Backprobing.

Grundlagen

Einsteiger: Ein Oszilloskop zeichnet Spannung über die Zeit. Das Multimeter zeigt dir nur eine Zahl (Mittelwert) – das Oszi zeigt dir den Verlauf. Wackelkontakte, Aussetzer, verschliffene Flanken und Spannungsspitzen sieht nur das Oszi.
Was misst ein Oszilloskop?

Ein Oszilloskop misst Spannung über der Zeit (X = Zeit, Y = Spannung). Strom wird indirekt gemessen: eine Stromzange wandelt Strom in eine proportionale Spannung (z. B. 100 mV/A) – diesen Faktor immer in die Skalierung einrechnen.

Damit werden sichtbar: Signalform, Amplitude, Frequenz, Tastverhältnis, Flankensteilheit, Spitzen, Einbrüche, Aussetzer, Rauschen und das zeitliche Verhältnis mehrerer Signale zueinander (Mehrkanal).

Oszilloskop vs. Multimeter – warum das Multimeter Fehler versteckt

Ein Multimeter mittelt über viele Millisekunden und zeigt einen Zahlenwert. Es kann nicht zeigen:

  • Aussetzer/Wackelkontakte: ein 2-ms-Signalausfall verschwindet im Mittelwert.
  • Signalform: Ein verschliffener Hallgeber zeigt am DMM weiter „5 V / 0 V im Wechsel".
  • Spannungsspitzen: Induktionsspitzen von 60–400 V sind zu kurz für das DMM.
  • PWM: Das DMM zeigt nur den Mittelwert (z. B. 6 V bei 50 % von 12 V) – nicht ob Frequenz und Flanken stimmen.
  • Dynamik: Einbrüche der 5-V-Referenz nur unter Last, Lambdaträgheit, Drehzahlschwankungen.

Das Multimeter bleibt richtig für: statische Versorgungsspannungen, Widerstände, Durchgang, Diodentest und als Gegenprüfung zur Plausibilisierung der Oszi-Messung.

Analog vs. digital, Signalarten im Kfz

Analoges Signal: stufenlos veränderliche Spannung, der Wert selbst trägt die Information (NTC, MAP, Potentiometer, Sprungsonde). Fehlerbilder: Sprünge, Aussetzer, Offset, falsche Steigung.

Digitales Signal: nur definierte Pegel (z. B. 0/5 V). Information steckt in Frequenz, Tastverhältnis oder Bitfolge (Hallgeber, PWM, SENT, Bussysteme). Fehlerbilder: falsche Pegel, verschliffene Flanken, fehlende Flanken, falsches Timing.

  • Spannungssignal: Wert = Spannung (MAP 0,5–4,5 V).
  • Stromsignal: Wert = eingeprägter Strom (aktiver ABS-Sensor 7/14 mA) – robust gegen Übergangswiderstände, Messung per Zange oder Messwiderstand.
  • Frequenzsignal: Wert = Frequenz (digitaler LMM, Raddrehzahl).
  • PWM-Signal: Wert = Tastverhältnis bei fester Frequenz (Lüfter, Heizungen, Ventile).
  • Datenbus-Signal: Information als Bitfolge in Frames (CAN, LIN, SENT, FlexRay).
Sensorprinzipien: induktiv, Hall, optisch, piezoelektrisch
  • Induktiv: Bewegter Zahn ändert den Magnetfluss durch eine Spule → induzierte Wechselspannung (u = −N·dΦ/dt). Amplitude und Frequenz steigen mit der Drehzahl, kein Signal im Stillstand, 2-polig, keine Versorgung. Polarität/Anschluss vertauschbar → invertiertes Signal.
  • Hall: Stromdurchflossener Halbleiter im Magnetfeld erzeugt Querspannung; integrierte Elektronik schaltet einen Open-Collector-Ausgang → Rechtecksignal mit konstanter Amplitude, auch bei niedrigster Drehzahl. 3-polig (Versorgung, Masse, Signal mit Pull-up).
  • Optisch: Lichtschranke + Lochscheibe → Rechteck wie Hall. Heute selten (ältere Verteiler, Lenkwinkelsensoren).
  • Piezoelektrisch: Kristall erzeugt Ladung bei mechanischer Verformung → misst nur Änderungen (Klopfsensor: Körperschall; Piezo-Injektor umgekehrt als Aktor). Hochohmig, AC-Kopplung sinnvoll.
Massebezug, Differenzmessung, Floating-Messung

Die Oszi-Masseklemme definiert das Bezugspotenzial. Achtung: Bei Netzbetrieb ohne Trennung sind die Masseklemmen aller Kanäle intern verbunden und ggf. geerdet – zwei Masseklemmen auf unterschiedliche Potenziale = Kurzschluss über das Oszi.

  • Masse gegen Batterie-Minus: Standard für Versorgungen und grobe Signale.
  • Masse gegen Sensormasse (Pin am Stecker): Pflicht bei kleinen Signalen – eliminiert Masseversatz zwischen Steuergerät und Karosserie.
  • Differenzmessung: CH-A minus CH-B (Mathe-Funktion) oder Differenzialtastkopf. Nötig bei CAN (H−L), Messung „über" einem Bauteil ohne Massebezug, Shunt-Messung.
  • Floating: Akku-Handoszilloskope mit isolierten Kanälen dürfen potenzialfrei messen. Niemals Erdungsstift am Netz-Oszi abkleben – Lebensgefahr und Messfehler.
AC/DC-Kopplung

DC-Kopplung: zeigt das komplette Signal inkl. Gleichanteil – Standard für fast alle Kfz-Messungen (Sensoren, Aktoren, Busse).

AC-Kopplung: ein Kondensator blockt den Gleichanteil, nur der Wechselanteil bleibt. Ideal für Generator-Ripple (mV-Welligkeit auf 14 V), Rauschen auf Versorgungen, Klopfsensor. Falle: AC-Kopplung verbiegt langsame Signale (PWM mit niedriger Frequenz „kippt" weg) und versteckt Offsetfehler – im Zweifel DC.

Trigger – das stehende Bild

Der Trigger legt fest, wann die Aufzeichnung startet: bei Überschreiten eines Pegels mit definierter Flanke. Ohne sinnvollen Trigger „läuft" das Bild.

  • Edge/Flanke: Standard. Pegel in die Mitte des Signals legen, Flanke steigend/fallend je nach Ereignis.
  • Auto: zeichnet auch ohne Triggerereignis – gut zum Suchen.
  • Normal: zeichnet nur bei Triggerereignis – gut für stehende Bilder.
  • Single (Single-Shot): eine einzige Aufzeichnung – für Startvorgänge, sporadische Aussetzer, Einschaltereignisse.
  • Pre-Trigger: zeigt die Zeit vor dem Ereignis – entscheidend, um die Ursache vor dem Aussetzer zu sehen.
Zeitbasis, V/div, Tastkopf 1:1 / 10:1

Zeitbasis (s/div): Zeit pro Rasterteilung horizontal. Faustregel: 2–4 Perioden des Signals ins Bild legen. Bus-Bits: µs/div, Sensoren: ms/div, Temperaturverläufe: Roll-Modus mit s/div.

V/div: Spannung pro Rasterteilung vertikal. Signal soll 50–80 % der Bildhöhe füllen – zu klein = Auflösung verschenkt, zu groß = Spitzen abgeschnitten (aber: bewusstes „Hineinzoomen" in Brennlinien o. Ä. ist legitim).

Tastkopf 1:1: volle Empfindlichkeit, aber hohe kapazitive Last und max. ~40–300 V je nach Modell. 10:1: teilt durch 10, belastet das Signal kaum, höhere Spannungsfestigkeit – Standard für Zündung primär, Injektor-Spannung, Piezo. Teilerfaktor am Oszi einstellen, sonst Faktor-10-Fehler! 10:1-Tastkopf am Kalibrierausgang kompensieren (sauberes Rechteck, kein Über-/Unterschwingen).

Abtastrate, Speichertiefe, Bandbreite, Aliasing

Abtastrate: Messpunkte pro Sekunde. Mindestens 10× über der höchsten interessierenden Signalfrequenz bleiben, sonst werden Flanken und Spikes verschluckt.

Speichertiefe: Abtastrate × Aufzeichnungsdauer = benötigte Punkte. Lange Aufzeichnung (Startvorgang, sporadischer Fehler) bei hoher Rate braucht viel Speicher – sonst senkt das Gerät heimlich die Abtastrate.

Bandbreite: analoge Grenzfrequenz des Eingangs. 20 MHz reichen für alles am Kfz inkl. CAN-FD und FlexRay locker.

Aliasing: Wird zu langsam abgetastet, entsteht ein scheinbar sauberes, aber falsches Signal mit zu niedriger Frequenz. Verdacht: Bild ändert sich sprunghaft beim Verstellen der Zeitbasis. Gegenmittel: Zeitbasis schneller, Peak-Detect-Modus aktivieren.

Rauschen, Glättung, Roll-Modus, Cursor-Messung

Rauschen: breiter „pelziger" Strich. Quellen: Zündanlage, DC/DC-Wandler, lange unverdrillte Messleitungen, schlechte Masse. Erst Messaufbau verbessern (kurze Masse, Massefeder statt langer Klemme), dann erst glätten.

Glättung/Average: mittelt mehrere Aufzeichnungen – nur bei periodischen Signalen sinnvoll; versteckt sporadische Aussetzer! Für Fehlersuche meist aus.

Roll-Modus: Signal läuft wie ein Schreiber von rechts ein – für langsame Vorgänge (Temperatur, Lambda-Regelung über Minuten, Ruhestrom).

Cursor: zwei Linien zum Ausmessen von ΔU und Δt. Aus Δt folgt Frequenz (f = 1/T), Tastverhältnis (t_high/T), Bitzeit, Einspritzzeit, Dwell, Brenndauer.

Rise-/Fall-Time: Zeit von 10 % auf 90 % der Flanke. Verschliffene Flanken deuten auf kapazitive Last, schwachen Treiber, korrodierte Kontakte oder fehlenden Pull-up.

Spannungsspitzen, Induktionsspitzen, Masseversatz, Spannungsabfall

Induktionsspitze: Beim Abschalten einer Spule (Injektor, Ventil, Zündspule, Relais) erzwingt die Induktivität den Stromfluss weiter → Spannung steigt steil an (u = −L·di/dt), bis eine Klemmung (Z-Diode im Steuergerät, Funke) begrenzt. Die Spitze ist ein Gesundheitszeichen: fehlt sie, war kein Strom geflossen (Unterbrechung) oder die Wicklung hat einen Windungsschluss (Spitze zu klein).

Masseversatz: Spannungsdifferenz zwischen zwei „Massen" (Karosserie vs. Steuergerätemasse) durch Übergangswiderstände + Strom. Folge: Signale erscheinen verschoben, Buspegel stimmen nicht, sporadische Fehler. Messen: Oszi zwischen die beiden Massepunkte, unter Last (< 100 mV üblich gut).

Spannungsabfall unter Last: Übergangswiderstände zeigen sich erst bei Stromfluss. Deshalb: Spannungsabfall über Leitungen/Kontakten immer bei eingeschaltetem Verbraucher messen (Kapitel „Masse & Spannungsabfall").

Elektronik-Basics: Pull-up, Open-Collector, PWM, Spulenstrom, H-Brücke
  • Pull-up/Pull-down: Widerstand zieht eine Leitung auf definiertes Ruhepotenzial (z. B. 5 V oder 12 V). Der Sensor/das Steuergerät schaltet aktiv nur gegen Masse. Fehlt der Pull-up (Leitungsbruch zur Versorgung), bleibt das Signal auf 0 V „liegend".
  • Open-Collector/Open-Drain: Ausgang kann nur nach Masse ziehen, der High-Pegel kommt allein vom Pull-up – erklärt, warum viele Sensorsignale „high" als Ruhezustand haben (Hallgeber, LIN).
  • PWM-Ansteuerung: schnelles Ein/Aus statt Linearregelung – verlustarm. Bei induktiven Lasten glättet die Spule den Strom; auf der Spannungsleitung sieht man Rechteck + Abschaltspitzen.
  • Stromanstieg in Spulen: i(t) = U/R·(1−e^(−t·R/L)) – der Strom steigt rampenförmig, nie sprunghaft. Form der Rampe = Diagnose von Wicklung und mechanischer Bewegung (Öffnungsbuckel beim Injektor!).
  • H-Brücke: vier Schalter erlauben Stromfluss in beide Richtungen → Stellmotoren vor/zurück. Beide Motorleitungen führen geschaltete PWM, Messung am besten differenziell oder Strom per Zange.
  • Luftspalt: Bei induktiven Sensoren geht die Amplitude etwa quadratisch mit dem Abstand zurück – zu großer Luftspalt = zu kleines Signal bei niedriger Drehzahl (Startdrehzahl!).
  • Abschirmung / Einkopplung: Kapazitiv (parallel laufende Leitung mit steilen Flanken, z. B. Zündung) und induktiv (Stromschleifen). Geschirmte Sensorleitungen nur einseitig auf Masse. Beim Messen: kurze Masseleitung, weg von Zündkabeln.
Typische Messfehler (selbstverschuldet)
  • Falsche Masse: Masseklemme an lackiertem Blech oder weit weg vom Sensor → Offset, Brummen, „Geistersignale". Immer Sensormasse bzw. saubere Motormasse.
  • Falsche Kopplung: AC-Kopplung bei langsamer PWM → Signal kippt; DC bei Ripple-Messung → Welligkeit unsichtbar klein.
  • Falsche Zeitbasis: zu langsam → Aliasing/Spikes weg; zu schnell → man sieht nur ein Flankenstück und hält es für DC.
  • Tastkopf-Faktor: 10:1 angeschlossen, Oszi auf 1:1 → alle Werte um Faktor 10 falsch.
  • Tastkopf unkompensiert: Rechtecke mit Überschwinger oder verschliffen, obwohl das Signal sauber ist.
  • Glättung/Average an: Aussetzer und Spikes werden weggemittelt.
  • Backprobe-Kurzschluss: Nadel berührt Nachbarpin oder Steckergehäuse – siehe Sicherheit.
Richtwerte können je nach Hersteller, System, Motorsteuergerät und Messgerät abweichen. Herstellerdaten und Stromlaufplan haben Vorrang.

Equipment

Einsteiger: Für 80 % aller Messungen reichen: 2-Kanal-Oszi, 10:1-Tastkopf, Backprobe-Nadeln, kurze Masseleitung, kleine Stromzange, Stromlaufplan. Der Rest kommt nach Bedarf dazu.

Geräte & Zubehör – wofür?

EquipmentEinsatz
2-Kanal-OszilloskopStandard: ein Signal + Referenz (z. B. KW + NW, Spannung + Strom).
4-Kanal-OszilloskopKomplexe Messungen: KW + NW + Injektor + Zündung; Ladedruckregelung; ABS-Vergleich.
Isoliertes Oszi / Akku-HandgerätFloating-Messungen, Messung „über" Bauteilen, sicher ohne Erdbezug.
DifferenzialtastkopfCAN H−L, Shunts, Messungen ohne Massebezug am Netz-Oszi, höhere Spannungen.
10:1-TastkopfStandardtastkopf; Pflicht bei Zündung primär, Injektorspannung, Piezo (Spannungsfestigkeit!).
Stromzange klein (mA–20/60 A)Injektorströme, Pumpen, Ventile, Ruhestrom, aktiver ABS-Sensor.
Stromzange groß (bis 600/1000 A)Starterstrom, relative Kompression, Glühanlage gesamt, Generatorstrom.
Kapazitiver Zündabgriff / Sekundär-PickupSekundärzündbild an Zündkabel oder Einzelspule ohne Eingriff.
Hochspannungs-/HT-Adapter, 1000:1-TeilerDirekter Sekundärabgriff (KV-Bereich) – nur mit geeignetem Zubehör!
Backprobe-NadelnKontaktierung am gesteckten Stecker von der Leitungsseite – ohne Isolation zu durchstechen.
Breakout-Kabel / AdapterleitungenZwischenstecker für Injektoren, LMM, Lambdasonde – sauber messen ohne Nadeln.
CAN/LIN-Breakout-Box (OBD)Bequemer Buszugriff an Pin 6/14 (CAN), Terminierungsmessung, K-Line Pin 7.
Prüfspitzen, kurze + lange MasseleitungKurze Masse = weniger Rauschen; lange Masse nur für träge Signale.
BNC-KabelVerbindung Zangen/Adapter ans Oszi; auf Teilerfaktor achten.
Prüflast / Glühlampe 21 WBelastet Versorgungen, deckt Übergangswiderstände auf (statt Prüflampe an Signalen!).
WiderstandsdekadeSensorsimulation (NTC, Poti), Pull-up-Ersatz, Abschlusswiderstandstest.
SignalgeneratorSimulation von Hall-/Drehzahlsignalen, Test von Steuergeräteeingängen.
OBD-Diagnosetester (z. B. Autel)Fehlerspeicher, Istwerte, Stellgliedtest – immer parallel zur Oszi-Messung nutzen.
Stromlaufplan + Pinbelegung + HerstellerdatenOhne Plan keine seriöse Messung: Pins, Sollwerte, Signalwege, Massepunkte.
Ladegerät / StützladegerätLange Messungen mit Zündung ein – Spannungseinbrüche verfälschen sonst alles.
Sicherungsmessadapter (Shunt)Strommessung über den Sicherungssteckplatz – ideal für Ruhestrom-Eingrenzung.

Messart → Mindest-Equipment

MessartEquipment
Sensorsignale (Hall, analog, NTC)1 Kanal, 1:1 oder 10:1, Backprobe, Sensormasse
Induktive Sensoren1 Kanal, 10:1 (Spannung drehzahlabhängig hoch), beide Sensorpins
Injektoren / Zündung primär10:1 Pflicht, ggf. Stromzange klein parallel (2 Kanäle)
Zündung sekundärKapazitiver Abgriff oder HT-Adapter, niemals direkt mit Standardtastkopf
Busse (CAN/LIN/SENT)2 Kanäle (CAN H+L), 1:1/10:1, OBD-Breakout, µs-Zeitbasis
Starter / Glühkerzen / GeneratorGroße Stromzange, 1–2 Kanäle (U + I)
RuhestrommA-Zange oder Sicherungsadapter, Roll-Modus
Spannungsabfall1 Kanal zwischen zwei Punkten, Verbraucher unter Last
Profi-Tipp: Stromzangen vor jeder Messung nullen und einmal um 180° drehen, um Offset zu prüfen. Bei mA-Messungen Leitung mehrfach durch die Zange schleifen (Faktor n beachten) – erhöht die Auflösung.

Sicherheit

Airbag / Rückhaltesysteme (PSI5-Sensorik): Niemals an Airbag-Zündkreisen oder Crash-Sensorleitungen messen, keine Nadeln, keine Prüflampe, kein Ohmmeter. Auslösegefahr und Verletzungsgefahr. Diagnose nur per Tester nach Herstellervorgabe (Batterie abklemmen, Wartezeit, Zündpillen-Ersatzwiderstände nur lt. Hersteller).
Hochvolt (Hybrid/EV): Orange Leitungen und HV-Komponenten nur mit HV-Qualifikation, CAT-III-Equipment und freigeschaltetem, gesichertem System. Standard-Oszi + Standardtastkopf haben dort nichts verloren. 12-V-Bordnetz am HV-Fahrzeug ist normal messbar.
Zündanlage: Sekundärseite führt 5–40 kV. Niemals Tastkopf direkt an Zündkabel/Spulenausgang – nur kapazitiver Abgriff oder geeigneter HT-Teiler. Primärseite: Abschaltspitzen 300–400 V → 10:1-Tastkopf mit ausreichender Spannungsfestigkeit. Bei laufendem Motor nicht in offene Sekundärkreise greifen; abgezogene Stecker provozieren Überschläge und können Spule/Endstufe zerstören.

Regeln am Steuergerät und an Signalleitungen

  • Keine Prüflampe an Signalleitungen: Eine 21-W-Prüflampe zieht ~1,75 A – Steuergeräteausgänge und die 5-V-Referenz sterben daran oder schalten ab. Prüflampe nur an Last-Stromkreisen (Pumpe, Glühkerze) verwenden, an Signalen LED-Tester oder Oszi.
  • Backprobing ohne Kurzschluss: Nadeln einzeln setzen, nie zwei blanke Nadeln nebeneinander unfixiert hängen lassen, Krokoklemmen isolieren. Nadel nur an der Leitungsseite einführen, Dichtung nicht zerstören, danach Stecker auf Sitz prüfen.
  • Nichts einstechen: Isolation durchstechen = künftige Korrosionsstelle, besonders im Spritzwasserbereich. Breakout-Adapter bevorzugen.
  • Vorsicht bei Piezo-Injektoren: Ansteuerspannungen 60–200 V, Kondensatorverhalten – Stecker nie bei laufender Ansteuerung abziehen, nicht mit 1:1-Tastkopf messen.
  • Glühanlage / Starter: hohe Ströme (20–1000 A) – Stromzange statt Auftrennen, Quetsch-/Brandgefahr an Polklemmen, Uhren und Ringe ab.
  • Drehende Teile / heiße Teile: Messleitungen vom Lüfter, Riementrieb und Abgaskrümmer fernhalten, Leitungen zugentlasten.

Masse richtig wählen

Es gibt am Fahrzeug nicht „die" Masse, sondern mehrere Potenziale, die über Übergangswiderstände verbunden sind:

  • Batterie-Minus: Referenz für Versorgungsmessungen und Spannungsabfall Masseseite.
  • Karosseriemasse: kann bei korrodierten Massebändern mehrere 100 mV gegen Batterie-Minus „schwimmen" (unter Last!).
  • Sensormasse (Steuergerätemasse am Sensorpin): die richtige Referenz für Sensorsignale – das Steuergerät „sieht" das Signal gegen genau diese Masse.
  • Steuergeräte-Massepins: Referenz, wenn das Steuergerät selbst geprüft wird (Massepins gegen Batterie-Minus unter Last < ~100 mV).

Warum eine falsche Masse das Signal verfälscht: Misst du ein 5-V-Sensorsignal gegen Karosserie, addiert sich jeder Masseversatz (z. B. 300 mV unter Lüfterlast) auf dein Bild – das Signal erscheint verschoben, „rauscht" im Takt der Verbraucher, und du jagst einen Sensorfehler, der ein Massefehler ist.

Oszi-Einstellungen je Messung

Startwerte für die wichtigsten Messungen. Detailierte Anleitung, Gut-/Fehlerbilder und Interpretation: jeweilige Messkarte. Motorzustände: Z=Zündung ein, S=Starten, LL=Leerlauf, G=Gasstoß, L=Lastfahrt, SB=Schubbetrieb.

MessungKanäleKopplungTastkopfV/divZeitbasisTriggerMesspunkt +Messpunkt −Zustand
Kurbelwelle induktiv1DC10:12–5 V5–10 ms (S), 2 ms (LL)Flanke ↑, ~1 VSensor Pin SigSensor Pin 2S, LL
KW / NW Hall1–2DC1:1/10:11–2 V10–20 msFlanke ↑, 2,5 VSignalpinSensormasseS, LL
KW↔NW Synchronisation2DC10:1CH1 2 V, CH2 2 V20–50 msCH1 Lücke/Flanke ↑beide SignalpinsSensormasseLL
LMM analog1DC1:11 V200–500 msAutoSignalpinSensormasseZ, LL, G
LMM digital (Frequenz)1DC1:12 V100–200 µsFlanke ↑, 2,5 VSignalpinSensormasseLL, G
MAP / Ladedruck1DC1:11 V200–500 msAutoSignalpinSensormasseZ, LL, G, L
Drosselklappe (2 Poti/Hall)2DC1:11 V500 ms – 1 sAutoSig 1 + Sig 2SensormasseZ (Pedaltest)
Gaspedal (2 Spuren)2DC1:11 V500 ms – 1 sAutoSpur 1 + 2SensormasseZ
NTC-Temperatur1DC1:11 VRoll, 1–5 sSignalpinSensormasseWarmlauf
Raildruck1DC1:10,5–1 V500 ms (S), RollSingle (Start)SignalpinSensormasseZ, S, LL, G
DPF-Differenzdruck1DC1:10,5 VRoll, 1 sSignalpinSensormasseLL, G
Klopfsensor1AC1:10,2–1 V2–10 msAuto / SingleSignalpinSchirm/2. PinLL + Klopftest
Raddrehzahl aktiv (Strom)1DCmA-Zange/Shunt5–10 mA bzw. 0,5 V5–10 msFlanke ↑Zange um Sig-LeitungRad drehen
Raddrehzahl passiv1DC/AC1:10,5–2 V10–20 msFlanke ↑, 0 VSensorpin 1Sensorpin 2Rad drehen
Lambdasonde Sprung (vor Kat)1DC1:10,2 V1–2 s/div bzw. RollAutoSignalpin (schwarz)Sondenmasse (grau)LL warm, G, SB
Nachkatsonde1 (2 mit Vorkat)DC1:10,2 VRoll, 1–2 sSignalpinSondenmasseLL warm, G, SB
Sondenheizung1 (+I-Zange)DC1:15 V5–10 msFlanke ↓Heizung MinuspinMasseLL kalt→warm
Einspritzventil Saugrohr (U)1 (+I)DC10:110–20 V2 msFlanke ↓, 6 VVentil Minuspin (STG-Seite)Batterie-MinusLL, G
Injektorstrom (Saugrohr/DI/CR)1–2DCStromzange 20 A2–5 A0,5–2 msFlanke ↑ StromZange um PlusleitungLL, G
CR-Piezo-Injektor (U)1DC10:1 (≥300 V)50 V0,5–1 msFlanke ↑Injektorpin 1Injektorpin 2 (diff.!)LL
Zündspule primär1 (+I)DC10:1 (≥400 V)50 V1–2 msFlanke ↑, 50 VKl. 1 / Spule MinuspinBatterie-MinusLL, G
Zündung sekundär1DCkap. Abgriffgerätespez. (kV)1–2 msFlanke ↑Abgriff an Kabel/SpuleMotormasseLL, G
PWM-Magnetventil (N75/AGR/TEV)1DC10:15 V2–10 msFlanke ↓Ventil MinuspinMasseLL, G, Stellgliedtest
Stellmotor H-Brücke2 (+I)DC10:15 V2–5 msFlanke ↑Motorpin 1 + 2MasseZ, Stellgliedtest
Kraftstoffpumpe (I)1DCZange 20/60 A2–5 A10–20 msAutoZange um PlusleitungZ, LL
Glühkerzen (I)1DCZange 60/200 A10–20 ARoll, 1–2 sZange um ZuleitungZ kalt
Starterstrom / rel. Kompression1 (+U Batt)DCZange 600/1000 A100–200 A100–200 ms, SingleStrom ↑Zange um Batt-Plus/MinusS (Einspr. deaktiviert)
Generator-Ripple1AC1:10,2–0,5 V5–10 msAutoB+ am GeneratorGehäuse/MasseLL + Last
CAN High-Speed2DC1:1/10:11 V10–20 µs (Bits), 1 ms (Frames)Flanke ↓ CAN-H… s. KapitelCAN-H + CAN-L (OBD 6/14)Masse (OBD 4/5)Z
LIN-Bus1DC10:15 V1–2 ms (Frame), 100 µs (Bits)Flanke ↓, 6 VLIN-LeitungMasseZ
SENT1DC1:12 V50–100 µsFlanke ↓SignalpinSensormasseZ
K-Line1DC10:15 V1–5 msFlanke ↓OBD Pin 7OBD Pin 4/5Z + Testerabfrage
5-V-Referenz1DC (AC für Ripple)1:11 V (50 mV AC)10 ms / RollAuto5-V-Pin am SensorSensormasseZ, S, LL
Spannungsabfall Masse/Plus1DC1:10,2 V100 ms / RollAuto/SinglePunkt A (z. B. STG-Massepin)Punkt B (Batt-Minus)unter Last
Ruhestrom1DCmA-Zange50–100 mARoll, 10 s+Zange um Batt-MinusFzg. verriegelt, schlafend
Richtwerte können je nach Hersteller, System, Motorsteuergerät und Messgerät abweichen. Herstellerdaten und Stromlaufplan haben Vorrang.

Messkarten

Richtwerte können je nach Hersteller, System, Motorsteuergerät und Messgerät abweichen. Herstellerdaten und Stromlaufplan haben Vorrang.

Bussysteme

Einsteiger: Ein Bus ist eine geteilte Datenleitung. Mit dem Oszi prüfst du nicht den Inhalt der Nachrichten, sondern ob Pegel, Form, Aktivität und Timing stimmen – das reicht, um 90 % aller Busfehler (Kurzschluss, Unterbrechung, Terminierung, totes Steuergerät) zu finden.
CAN High-Speed 500 kbit/s

Aufgabe & Topologie

Antriebs- und Fahrwerksbus (Motor, Getriebe, ABS/ESP). Linientopologie mit zwei verdrillten Leitungen CAN-H und CAN-L und zwei 120-Ω-Abschlusswiderständen an den Enden (oft im Motor-STG und Kombiinstrument). Typisch 500 kbit/s (Antrieb), auch 250/125 kbit/s.

Pegel & Zustände

  • Rezessiv (Ruhe, Bit „1"): beide Leitungen ~2,5 V → Differenz ≈ 0 V.
  • Dominant (Bit „0"): CAN-H → ~3,5 V, CAN-L → ~1,5 V → Differenz ≈ 2 V.
  • Dominant „gewinnt" immer gegen rezessiv – Basis der Arbitrierung: Senden zwei Teilnehmer gleichzeitig, setzt sich die Botschaft mit dem niedrigeren (dominanteren) Identifier verlustfrei durch.

Warum CAN störsicher ist

Der Empfänger wertet nur die Differenz H−L aus. Eine Störung (Zündimpuls, Masseversatz) trifft beide verdrillten Leitungen gleich (Gleichtakt) und fällt bei der Differenzbildung heraus. Deshalb: Wenn H und L im Oszi spiegelbildlich zueinander laufen, ist die Physik gesund.

Frame-Aufbau (vereinfacht)

SOF (1 dominantes Bit) → Identifier (11/29 Bit, Priorität) → Steuerbits → Datenfeld (0–8 Byte) → CRC (Prüfsumme) → ACK → EOF. Das ACK-Bit wird vom Sender rezessiv gesendet und von jedem fehlerfrei empfangenden Teilnehmer dominant überschrieben – im Oszi als einzelner „fremder", oft leicht höherer Puls am Frame-Ende erkennbar. Fehlt jedes ACK, hört niemand zu (Bus tot, nur ein Teilnehmer wach).

Oszi-Einstellung

KanäleCH1 = CAN-H, CH2 = CAN-LKopplungDCTastkopf1:1 oder 10:1V/div1 V/div, Nulllinien versetztZeitbasis10–20 µs/div (Bits) · 0,5–1 ms/div (Frames)TriggerCH1 Flanke ↑ bei ~3 V (Frame-Anfang)MesspunktOBD Pin 6 (H) / 14 (L) gegen Pin 4/5 – oder direkt am STG

Datenpakete mit dem Oszi „lesen"

Mit dem Standard-Oszi erkennst du: Aktivität (sendet überhaupt jemand?), Pegel, Spiegelbildlichkeit, Bitzeit (Cursor: 1 Bit bei 500 kbit/s = 2 µs), Frames mit Pausen, Buslast und Störungen. Inhalte dekodieren (welches Steuergerät, welche Daten) ist mit reinem Oszi nicht sinnvoll – dafür Decoder-Funktion (z. B. Rigol/Pico CAN-Decode) oder Logikanalysator/Tester. Erkennen ≠ Dekodieren.

60-Ω-Messung (Terminierung)

Zündung aus, Bus schlafend (ggf. Batterie kurz abklemmen): Ohmmeter zwischen CAN-H und CAN-L → ≈ 60 Ω (2 × 120 Ω parallel). ~120 Ω = ein Abschluss fehlt/Leitung unterbrochen · < 50 Ω = zu viele Abschlüsse oder Teilkurzschluss · = Unterbrechung beider Pfade oder Messung am abgehängten Stummel.

Fehlerbilder

  • Kurzschluss CAN-H ↔ CAN-L: beide Leitungen kleben aufeinander (~2,5 V), keine Differenz, Bus tot, meist Vielzahl „Kommunikation"-DTCs in allen Steuergeräten.
  • Kurzschluss gegen Masse: betroffene Leitung liegt auf 0 V, die andere versucht weiter zu arbeiten; Differenz verzerrt; Bus meist tot (High-Speed-CAN ist nicht eindrahtfähig).
  • Kurzschluss gegen Plus: Leitung klebt auf ~12 V.
  • Unterbrechung: hinter der Bruchstelle keine Signale; vor der Bruchstelle ggf. Reflexionen/Treppen; 60-Ω-Messung wird je nach Messort 120 Ω.
  • Terminierung fehlt: Überschwinger/Klingeln auf den Flanken (Reflexionen am offenen Ende), Amplitude wirkt zu hoch, sporadische Fehler bei langen Leitungen.
  • Nur eine Leitung aktiv: eine Leitung pulst, die andere ist starr → Bruch oder Kurzschluss einer Ader, keine Spiegelbildlichkeit, Differenzsignal halbiert/verzerrt.
  • Masseversatz: ganzes Pegelpaar nach oben/unten verschoben (z. B. rezessiv bei 3,2 V statt 2,5 V) – Massepfad des sendenden Steuergeräts prüfen.
  • Ein Steuergerät zieht den Bus herunter: Dauer-dominant oder periodische Störframes. Eingrenzen: Steuergeräte nacheinander abstecken (Stromlaufplan: wo trennt man Busäste?), bis das Bild gesund wird.
  • Bus schläft nicht ein: nach Verriegeln dauerhaft Frames → ein Teilnehmer hält den Bus wach → Ruhestromproblem (Karte „Ruhestrom" / Komplexe Messungen).

Diagnose Schritt für Schritt

  1. OBD-Breakout: Pegel CAN-H/CAN-L mit Zündung ein ansehen (2,5 V Ruhe, Aktivität, Spiegelbild?).
  2. Bitzeit per Cursor prüfen → Baudrate plausibel?
  3. Zündung aus, Bus schlafen lassen → 60-Ω-Messung.
  4. Pegel falsch/starr: Spannungsmessung jeder Leitung gegen Masse und gegen Plus (Kurzschlussrichtung erkennen).
  5. Fehler eingrenzen: Bus an Steckverbindern/Steuergeräten segmentweise trennen, nach jedem Schritt Bild neu bewerten.
  6. Gefundene Stelle: Leitung, Stecker, Steuergerät? Sichtprüfung Marderbiss/Scheuerstellen, Pin-Korrosion.
CAN Low-Speed / Fault-Tolerant 125 kbit/s

Komfortbus (Türen, Sitze, Klima – je nach Hersteller). Andere Ruhepegel als High-Speed-CAN: rezessiv CAN-L ≈ 5 V (bzw. ~11 V je nach Transceiver) und CAN-H ≈ 0 V; dominant CAN-H ≈ 3,6 V, CAN-L ≈ 1,4 V. Terminierung verteilt in den Steuergeräten (keine 60-Ω-Regel!).

Fault-tolerant: Bei Bruch oder Kurzschluss einer Leitung schaltet der Transceiver auf Eindrahtbetrieb gegen Masse um – das Fahrzeug funktioniert scheinbar weiter, oft nur sporadische DTCs. Deshalb: Beide Leitungen einzeln prüfen, auch wenn „alles geht".

CAN FD bis 2–8 Mbit/s

Wie CAN-HS (gleiche Pegel, gleiche Leitungen, gleiche 60-Ω-Messung), aber: nach der Arbitrierungsphase schaltet der Frame in eine schnellere Datenphase (typ. 2–5 Mbit/s) mit bis zu 64 Byte Daten. Im Oszi erkennbar als Frame, dessen Bits „mittendrin schneller werden". Zeitbasis 2–5 µs/div; Abtastrate hoch wählen. Diagnosephysik identisch zu CAN-HS.

LIN-Bus 19,2 kbit/s

Aufgabe & Prinzip

Kostengünstiger Eindraht-Bus für Slave-Peripherie: Generator (LIN-geregelt), Klimabedienteil/Stellmotoren, Türmodule, Batteriesensor, Lüftermodul, Wischer, Regensensor. Master-Slave: genau ein Master (meist ein Karosserie-/Komfort-STG) pollt die Slaves nach Zeitplan; Slaves senden nur nach Aufforderung.

Physik

  • Eine Leitung + Masse; Ruhepegel ≈ Batteriespannung über Pull-up (Master ~1 kΩ + Diode, Slaves ~30 kΩ).
  • Dominant = Low (< 20 % UBat), rezessiv = High (> 80 % UBat). Open-Collector: jeder darf nur nach Masse ziehen.
  • Max. 20 kbit/s, üblich 19,2/9,6 kbit/s → Bitzeit ~52 µs. Flanken bewusst verschliffen (EMV).

Frame-Aufbau

Break (≥ 13 Bit dominant, im Oszi der auffällig lange Low-Block) → Sync 0x55 (gleichmäßiges 10101010-Muster zur Taktsynchronisation) → Identifier (Botschafts-ID + Parität) – bis hier sendet immer der Master („Header"). Danach folgt die Response (Datenbytes + Checksumme) – je nach ID vom Master selbst oder von einem Slave.

Kanäle1KopplungDCTastkopf10:1V/div5 V/divZeitbasis1–2 ms/div (Frame) · 100 µs/div (Bits)TriggerFlanke ↓ bei ~6 V, Holdoff oder Single auf BreakMesspunktLIN-Pin am Slave (z. B. Generator Kl. „LIN") gegen Masse

Master / Slave im Bild erkennen

  • Master sendet: jeder Frame beginnt mit Break + Sync + ID – das ist der Master-Header.
  • Slave antwortet: nach dem Header folgen ohne neuen Break weitere Bytes – kommt die Response von einem anderen Teilnehmer, sieht man oft minimal andere Low-Pegel oder Flankenform (anderer Treiber, anderer Leitungsweg).
  • Keine Slave-Antwort: Header wiederholt sich, danach bleibt die Leitung rezessiv (High) bis zum nächsten Break → Slave fehlt/ohne Versorgung/defekt.
  • Slave zieht Bus herunter: Leitung dauerhaft < 1 V, kein Frame mehr erkennbar → Slaves nacheinander abstecken, bis Pegel auf UBat springt.
  • Bus schläft / wacht: schlafend = ruhig auf UBat-Pegel ohne Frames; Wake-up = dominanter Impuls (250 µs–5 ms), danach beginnt der Master zu pollen.

Typische Fehlerbilder

  • Leitung offen (zum Slave): Slave antwortet nicht; am abgehängten Stück nur ~UBat statisch (Slave-Pull-up) oder 0 V.
  • Kurzschluss Masse: dauerhaft 0 V – Bus tot, aber LIN-Transceiver überleben das (kurzschlussfest).
  • Kurzschluss Plus: dauerhaft UBat, keine dominanten Pegel mehr möglich.
  • Pull-up fehlt (Master-Versorgung/Leitung): Pegel bricht zusammen, schwache verschliffene „Hügel" statt sauberer Rechtecke.
  • Defekter Master: gar keine Breaks/Header → ganze LIN-Peripherie tot; Versorgung und Wake-Bedingungen des Masters prüfen.
  • Massefehler am Slave: Low-Pegel des Slaves zu hoch (z. B. 2 V statt < 1 V) → Übergangswiderstand in dessen Massepfad.
  • Falsche Versorgung: Ruhepegel deutlich unter UBat → Vorwiderstand/Korrosion in der Busleitung oder schwacher Pull-up.

Praxis: Am LIN-geregelten Generator zeigt die Messung an der LIN-Klemme sofort, ob das Motorsteuergerät pollt (Header da?) und ob der Generator antwortet – klassische Diagnose bei „Generator lädt nicht" mit Kl.-15-LIN-Generatoren (siehe Messkarte Generator).

FlexRay 10 Mbit/s

Deterministischer Hochgeschwindigkeitsbus (Fahrwerk, z. B. BMW F-/G-Modelle: ICM, Dämpfer). Zwei Leitungen BP/BM, differenziell, Zeitschlitzverfahren (jeder Teilnehmer sendet in festen Slots – kein klassisches Master/Slave, sondern Zeitplan). Idle: beide ~2,5 V; aktiv: Differenz ±~1 V wechselnd, Bursts in festem Zyklusraster (typ. 5 ms Zyklus).

Mit dem Oszi sinnvoll prüfbar: Aktivität in regelmäßigen Zyklen, Pegel, Spiegelbildlichkeit, Terminierung (≈ 45–55 Ω zwischen BP/BM je nach Topologie – Herstellerwert!), Kurzschlüsse. Inhalte: nur mit Spezialwerkzeug. Zeitbasis 1–2 µs/div für Bits, 2 ms/div für Zyklen.

K-Line 10,4 kbit/s

Ältere Diagnoseleitung (ISO 9141 / KWP2000), OBD Pin 7 (ggf. L-Line Pin 15). Eindraht, Ruhepegel ≈ UBat über Pull-up, dominant Low – Physik wie LIN, aber Kommunikation nur bei Testerabfrage. Diagnose: Mit angeschlossenem Tester Init-Sequenz (langsame 5-Baud-Adressierung oder Fast-Init-Impuls) und Antworten des Steuergeräts sichtbar? Keine Antwort = Versorgung/Masse des STG oder Leitung prüfen.

SENT Nibble-Protokoll

Digitale Eindraht-Sensorschnittstelle (SAE J2716), ersetzt analoge Signale z. B. bei Hochdruck-, Pedal-, Temperatur- und Positionssensoren (häufig VAG ab ~2012). 5-V-Pegel, Information steckt in der Zeit zwischen fallenden Flanken: feste Ticks (typ. 3 µs), ein Nibble (4 Bit) = 12–27 Ticks Pausenlänge. Sensor sendet zyklisch von selbst (kein Master nötig – der Sensor ist „Dauersender").

Oszi-Check: 5-V-Pegel sauber? Regelmäßige Pulsgruppen mit variablen Abständen? Flanken steil? Fehlerbilder: Signal starr (Sensor tot, Versorgung fehlt), Pegel falsch (Masse-/Versorgungsproblem), unsaubere Flanken (Leitung/Stecker). Dekodieren der Werte: Tester/Decoder.

PSI5 Airbag-Sensorik

Zweidraht-Stromschnittstelle für Crash-/Drucksensoren: Sensor wird vom Airbag-STG versorgt und moduliert seine Daten als Stromimpulse (Manchester-codiert) auf die Versorgung.

Nicht messen! PSI5 gehört zum Rückhaltesystem. Keine Oszi-Messung, kein Backprobing, kein Ohmmeter an diesen Leitungen – Diagnose ausschließlich per Tester und Herstellerleitfaden. Dieses Kapitel dient nur dem Erkennen: zwei Adern, oft verdrillt, gelbe Stecker/Leitungsführung Richtung Airbag-STG.
BSD / BSS – Bitserielle Schnittstelle Eindraht

Bosch-Eindrahtschnittstelle zwischen Motorsteuergerät, Generator und intelligentem Batteriesensor (IBS) – Vorgänger/Alternative zur LIN-Lösung (verbreitet bei BMW, Mercedes). Physik LIN-ähnlich: Ruhe ≈ UBat, dominante Low-Impulse, niedrige Bitrate. Diagnose wie LIN: Pollt das Motor-STG? Antwortet Generator/IBS? Pegel und Massepfad des Sensors prüfen. Nach Batteriewechsel/IBS-Reset Lernwerte beachten.

MOST & Automotive Ethernet eingeschränkt

MOST: Multimedia-Ring, meist Lichtwellenleiter – mit dem Oszi nicht messbar (optisch). Elektrische MOST-Varianten und die Wake-/Versorgungsleitungen sind messbar; Ringbruchdiagnose per Tester/Ringbruchmaster.

Automotive Ethernet (100/1000BASE-T1): ein verdrilltes Paar, vollduplex – beide Richtungen liegen gleichzeitig auf demselben Paar. Mit Standard-Oszi sieht man nur „Aktivität ja/nein" und grobe Amplitude (~±1 V differenziell); Auswertung unmöglich. Sinnvoll prüfbar: Versorgung, Aktivität, Leitungswiderstand (~100 Ω differenziell, paarsymmetrisch), Stecker. Alles Weitere: Diagnose über DoIP/Tester.

Master & Slave – Erkennung in der Praxis

  • Master: initiiert die Kommunikation, gibt Takt/Zeitplan vor, besitzt meist den starken Pull-up (LIN) bzw. die Diagnose-Gateway-Rolle. Slave: antwortet nur nach Aufforderung (LIN, K-Line) bzw. sendet ereignisgesteuert gleichberechtigt (CAN: Multi-Master – dort gibt es keinen Bus-Master, nur Arbitrierung; SENT: Sensor sendet autonom).
  • Im Stromlaufplan: Master erkennbar am Knoten, von dem die Busleitung „sternförmig"/durchgeschleift zu den Slaves führt, am Pull-up-Widerstand, an Kl.-15/30-Versorgung und Gateway-Funktion. Slaves: Endgeräte mit Bus-Pin + Versorgung + Masse.
  • Im Signal: Wer beginnt nach Wake-up als Erster? Wessen Frames kommen im festen Raster (Master-Schedule)? Folgt auf einen Header eine Antwort (Slave lebt) oder Stille (Slave fehlt)?
  • Master fehlt: Bus komplett still trotz Versorgung (LIN: Ruhepegel da, aber keine Breaks). Slave fehlt: Header ohne Response, Funktion des betroffenen Bauteils tot, Rest läuft.
  • Slave blockiert den Bus: Leitung dauerhaft dominant → sukzessives Abstecken, zuletzt abgesteckter Teilnehmer ist der Täter (oder dessen Leitungsast).
  • Grenzen des Oszis: Welcher Identifier zu welchem Steuergerät gehört, sieht man nicht – dafür Tester (Teilnehmerliste, „Verbauliste") oder Decoder. Das Oszi beantwortet die physikalische Frage: Wer sendet überhaupt, mit welchem Pegel, in welchem Takt.

Datenpakete erkennen – Frame-Anatomie

  • Analog vs. Datenpaket: Analog = kontinuierlicher Wert; Paket = Gruppen aus zwei festen Pegeln mit Pausen dazwischen. Pakete wiederholen sich zyklisch (Buslast) oder ereignisgesteuert.
  • Startbit / SOF / Break: definierter Beginn (CAN: 1 dominantes Bit; LIN: langer Break; SENT: Sync-Puls von 56 Ticks).
  • Sync: regelmäßiges Muster zur Takteinmessung (LIN 0x55 → gleichmäßige Bitfolge, perfekt zum Cursor-Ausmessen der Bitzeit!).
  • Identifier → Datenfeld → Prüfsumme/CRC → ACK: Reihenfolge in fast jedem Protokoll gleich; im Oszi als unterschiedlich „dichte" Bitbereiche erkennbar.
  • Fehlerframe/Paketwiederholung: identische Frames in schneller Folge oder abgebrochene Frames = ein Teilnehmer stört/empfängt nicht (CAN sendet automatisch neu).
  • Zeitbasis wählen: ganze Frames → ms/div; einzelne Bits → Bitzeit × 10 ins Bild (CAN 500 k: 20 µs/div · LIN: 200 µs/div · SENT: 50 µs/div).
  • Bitzeit per Cursor: kürzesten Pegelwechsel ausmessen → Baudrate = 1/Bitzeit. 2 µs → 500 kbit/s; 52 µs → 19,2 kbit/s.
  • Wann Decoder/Logikanalysator: sobald die Frage „was steht in der Botschaft" lautet, bei sporadischen Protokollfehlern (Stuff-Error, CRC) und bei Gateway-Problemen.
Richtwerte können je nach Hersteller, System, Motorsteuergerät und Messgerät abweichen. Herstellerdaten und Stromlaufplan haben Vorrang.

Komplexe Mehrkanalmessungen

Hier spielt das Oszi seine eigentliche Stärke aus: mehrere Signale zeitgleich ansehen und in Beziehung setzen. Erst der Vergleich macht viele Fehler sichtbar, die einzeln „gut" aussehen.

KW/NW-Synchronisation (2 Kanäle)

KanalSignalMesspunktEinstellung
CH1KurbelwelleSignalleitung KW-SensorDC · 2 V/div (Hall) bzw. 10 V/div (ind.) · 20 ms/div
CH2NockenwelleSignalleitung NW-SensorDC · 2 V/div · Trigger auf CH2 ↑
  • Vorgehen: Auf NW triggern (1 Flanke pro 2 KW-Umdrehungen), Leerlauf, Bild einfrieren. Position der NW-Flanke relativ zur KW-Zahnlücke notieren – das ist die „Signatur" dieses Motors.
  • Gut: NW-Flanke steht bei jeder Aufnahme an derselben Stelle relativ zur Lücke (±1 Zahn Toleranz je nach System).
  • Fehler: NW-Flanke um ≥1–2 Zähne verschoben → gelängte Kette, übersprungener Riemen, verstellter Versteller (hängt in Spät/Früh), falsch montiert. DTC: P0016/P0017.
  • Praxis: Vor Zerlegung Referenzbild eines baugleichen, intakten Motors besorgen (oder Hersteller-Sollbild). Bei VVT: Messung kalt UND warm – hängender Versteller zeigt sich oft erst warm.

Relative Kompression über Starterstrom (1–2 Kanäle)

KanalSignalMesspunktEinstellung
CH1StarterstromGroße Stromzange um Batterie-Plus/StarterleitungDC · 100 A/div · 200 ms/div · Single
CH2 (opt.)Zünd-/Injektorsignal Zyl. 1Ansteuerleitung Zyl. 1Als Zylinder-Referenz
  • Vorgehen: Einspritzung/Zündung deaktivieren (Sicherung/Tester), Motor 3–5 s durchdrehen, Strombild aufzeichnen.
  • Gut: Nach der Einschaltspitze (bis ~600 A) gleichmäßige Strombuckel – jeder Buckel = ein Zylinder in Kompression. Alle Buckel gleich hoch (±10 %).
  • Fehler: Ein periodisch flacher Buckel = ein Zylinder mit Minderkompression (Ventil, Ringe, Dichtung). Mit CH2-Referenz lässt sich der Zylinder über die Zündfolge zuordnen.
  • Grenze: Relativ! Sind ALLE Zylinder gleich schlecht (verschlissener Motor), sieht das Bild „gut" aus. Absolutwert nur per Druckmessung.

Zylinderdruck + KW-Signal / In-Cylinder-Analyse (2–3 Kanäle)

  • Aufbau: Drucksensor (z. B. WPS500X) statt Zündkerze/Glühkerze in den Zylinder, CH1 = Druck, CH2 = KW-Signal, optional CH3 = Zündung Zyl. 1.
  • Was man sieht: Kompressions-Spitzendruck (Anlasserdrehzahl Benziner ~10–14 bar Richtwert), OT-Lage relativ zur KW-Lücke, Ventilsteuerzeiten als „Knicke" in der Expansions-/Ansaugphase (Auslass öffnet ~140–150° n. ZOT, Einlass öffnet um OT Ladungswechsel).
  • Diagnosen: Verstellte Steuerzeiten (Knicke wandern), undichtes Ventil (Druckverlust, verformte Kompressionskurve), Zündzeitpunkt vs. Druckmaximum (Soll ~10–15° n. OT bei Leerlauf), Abgasgegendruck im Ansaugtakt (verstopfter Kat → erhöhte „Auspufftasche").
  • Profi-Tipp: Vakuum-Anteil der Kurve (Ansaugtakt) zeigt Drosselverluste und Falschluft; die 720°-Periodizität ordnet alle Ereignisse den 4 Takten zu.

Ladedruckregelung: 3-Kanal (MAP + Steller + LMM)

KanalSignalEinstellung
CH1Ladedrucksensor (analog 0,5–4,5 V)DC · 1 V/div
CH2PWM Ladedruckregelventil / VTG-StellerDC · 5 V/div
CH3LMM-SignalDC · 1 V/div · Zeitbasis 500 ms/div, Roll
  • Vorgehen: Lastfahrt oder Gasstoß im Stand. Beobachten: STG erhöht PWM-Tastgrad → Ladedruck (CH1) folgt → Luftmasse (CH3) steigt mit.
  • Gut: Druck folgt dem Tastgrad verzögerungsarm und ohne Überschwingen über den Soll-Spitzenwert.
  • Fehler lokalisieren: PWM ändert sich, Druck reagiert nicht → Steller/Unterdruckdose/Gestänge/VTG fest. PWM bleibt stur → STG sieht Eingangsfehler (Sensorseite prüfen). Druck überschwingt (P0234) → Steller träge/Gestänge schwergängig. Druck zu niedrig trotz 100 % Ansteuerung (P0299) → Leckage, Lader, festes VTG.

Raildruckaufbau beim Start (3 Kanäle)

  • CH1 Raildrucksensor-Signal (DC, 1 V/div) · CH2 KW-Signal · CH3 Injektor-Ansteuerung Zyl. 1 (oder Stromzange Hochdruckpumpen-Mengenregelventil).
  • Gut: Mit den ersten KW-Umdrehungen steigt das Drucksignal zügig von ~0,5 V auf Startschwelle (~1,0–1,3 V ≈ 200+ bar), DANN erst beginnen Injektorimpulse → Motor startet nach 1–2 s.
  • Fehler: Druck steigt nicht/zu langsam → Hochdruckpumpe, Mengenregelventil, Leckage (Rücklaufmengen!), Vorförderdruck. Druck da, aber keine Injektorimpulse → Freigabe fehlt (KW/NW-Sync, Wegfahrsperre). Druck bricht beim Startversuch periodisch ein → ein Injektor mit interner Leckage.

Fehlzündung über KW-Drehzahländerung (1–2 Kanäle)

  • Prinzip: Jede Verbrennung beschleunigt die Kurbelwelle kurz. Bleibt sie aus, verlängert sich die Zahnperiode messbar – genau so erkennt es auch das STG (Laufunruhe-Werte).
  • Messung: CH1 KW-Signal (lange Aufnahme 1–2 s, hohe Speichertiefe), CH2 Zündansteuerung Zyl. 1 als Referenz. Im gezoomten Bild: Zahnabstände nach jeder Zündung vergleichen.
  • Gut: gleichmäßige Periodenfolge mit feinem „Atmen" pro Arbeitstakt. Fehler: periodische Verlangsamung immer an derselben Stelle der Zündfolge → dieser Zylinder zündet nicht durch (dann weiter: Zündung? Einspritzung? Kompression?).
  • Praxis-Shortcut: Laufunruhewerte aus dem Tester sind oft schneller – das Oszi braucht man, wenn der Tester keine Werte liefert oder die Zuordnung KW-Signal/Mechanik selbst in Frage steht.

Generatorprüfung: Ripple + Stromzange (2 Kanäle)

  • CH1 AC-gekoppelt an B+ (200 mV/div, 2 ms/div) → Ripple. CH2 große Stromzange um B+-Leitung (20 A/div) → Laststrom.
  • Vorgehen: Leerlauf, dann Verbraucher zuschalten (Heckscheibe, Licht, Gebläse). Ripple und Strom gleichzeitig beobachten.
  • Gut: Ripple gleichmäßig, klein (< ~500 mVss auch unter Last), Strom steigt mit Verbrauchern sauber an.
  • Fehler: Periodischer tiefer Einbruch im Ripple (jede 6. Halbwelle) = defekte Diode → Generator liefert nur Teilleistung, Strom bleibt unter Erwartung. Stark wachsender Ripple unter Last = Dioden/Stator. Vergiss die Batterie nicht: schlechte Batterie vergrößert sichtbaren Ripple.

Batterietest beim Start: U + I (2 Kanäle)

  • CH1 Batteriespannung direkt an den Polen (DC, 2 V/div, Offset ~10 V). CH2 große Stromzange Starterleitung (200 A/div). Zeitbasis 500 ms/div, Single-Shot auf Stromanstieg.
  • Gut: U fällt bei der Einschaltspitze kurz auf ~9,5–10,5 V, erholt sich sofort auf > 10,5 V während des Durchdrehens; I-Spitze bis ~600 A, dann 80–200 A Buckelmuster.
  • Fehler: U bricht unter ~9,5 V (warm) bzw. ~8,5 V (kalt) ein → Batterie schwach/defekt oder Übergangswiderstand (dann: Spannungsabfallmessung Plus- und Masseseite hinterherschieben!). I-Spitze sehr klein + U bricht ein → Übergangswiderstand im Starterkreis. I normal, dreht aber langsam → mechanisch schwergängig/Starter.

Spannungsabfall Plus- und Masseseite unter Last (2 Kanäle)

  • Plusseite: CH1 rote Spitze an Batterie-Plus, schwarze (Oszi-Masse) an Verbraucher-Plus → Differenz = Abfall über Leitung+Sicherung+Stecker. Masseseite: CH2 zwischen Verbraucher-Masse und Batterie-Minus.
  • Wichtig: Nur unter Last messen (Starter, Glühen, Lüfter volle Stufe)! Ohne Strom kein Spannungsabfall – deshalb „findet" das Multimeter im Stand nichts.
  • Gut: < ~0,3 V Plusseite, < ~0,1–0,2 V Masseseite beim Starten (Richtwerte). Fehler: Sprunghafter oder hoher Abfall → korrodierter Übergang, gebrochene Litze, lockerer Massepunkt. Die Oszi-Zeitachse zeigt zusätzlich Wackler beim Rütteln.

Parasitärer Ruhestrom (Stromzange, Roll-Modus)

  • Aufbau: mA-fähige Zange um Batterie-Minus, Roll-Modus 10 s/div, Fahrzeug verriegeln, 30–60 min aufzeichnen.
  • Gut: Nach Steuergeräte-Nachlauf (5–30 min, je nach Fahrzeug) fällt der Strom stufig auf < ~30–50 mA (Richtwert, moderne Fahrzeuge teils < 20 mA).
  • Fehler: Strom bleibt hoch oder springt periodisch hoch (STG wacht zyklisch auf → meist Busruhe gestört). Kombiniere mit CAN-Messung: Wacht der Bus periodisch auf? Welcher Verbraucher? → Sicherungen ziehen oder Wärmebild.
  • Vorsicht: Türkontakt überlisten (verriegeln, Haube-Schalter), sonst schläft nichts ein. Zangen-Nullpunkt vor Messung abgleichen (Drift!).

CAN/LIN-Wake-up und Schlafmodus (2 Kanäle)

  • CH1 CAN-H (oder LIN), CH2 Ruhestrom-Zange. Roll-Modus. Fahrzeug verriegeln und beobachten, wie Busaktivität endet und Strom fällt.
  • Gut: Busverkehr endet wenige Minuten nach Verriegeln → Pegel ruhig (CAN 2,5 V / LIN ~Ubat) → Strom fällt stufig. Beim Aufschließen: Wake-up-Frame, Bus startet sofort.
  • Fehler „Bus schläft nicht ein": Frames laufen endlos weiter → ein STG hält den Bus wach. Eingrenzen: Sicherungen segmentweise ziehen, dabei Strom + Bus beobachten. Fehler „wacht nicht auf": kein Frame nach Weckereignis → Versorgung/Masse des Masters bzw. Wake-up-Leitung prüfen.

Lambda Vorkat/Nachkat + Kat-Speicherfähigkeit (2 Kanäle)

  • CH1 Vorkatsonde, CH2 Nachkatsonde (je 200 mV/div, 1 s/div, Roll). Motor betriebswarm.
  • Gut: CH1 pendelt lebhaft 0,1–0,9 V (~0,5–2 Hz), CH2 liegt ruhig (~0,6–0,7 V, träge Bewegung) – der Kat puffert Sauerstoff und glättet die Schwingung.
  • Kat verschlissen: CH2 beginnt der Vorkatsonde zu „folgen" (gleiche Frequenz, fast gleiche Amplitude) → keine Speicherfähigkeit mehr, P0420.
  • Tests: Gasstoß → beide reagieren kurz fett, CH2 deutlich gedämpfter. Schubabschaltung → beide fallen mager (< 0,1 V); erholt sich CH2 nach Schubende SOFORT mit, ist der Kat leer (defekt). Achtung Falschluft vor CH2-Bewertung ausschließen.

AGR-Regelung mit LMM und MAP (3 Kanäle)

  • CH1 AGR-Ansteuerung (PWM/Lage), CH2 LMM-Signal, CH3 MAP. Leerlauf/leichte Last, Roll-Modus.
  • Physik: Öffnet das AGR, ersetzt Abgas einen Teil der Frischluft → LMM-Signal MUSS sinken, MAP steigt leicht. Diese Gegenbewegung ist der Plausibilitäts-Klassiker.
  • Gut: AGR auf → LMM runter (deutlich, z. B. Diesel LL von ~350 auf ~200 mg/Hub sinngemäß im Spannungssignal). AGR zu → LMM rauf.
  • Fehler: AGR angesteuert, LMM ändert sich nicht → Ventil öffnet nicht (fest, Gestänge, Unterdruck) oder Kanäle zugekokt. LMM reagiert ohne AGR-Befehl mit → AGR klemmt offen (Leerlaufruckeln, Startprobleme).

Drosselklappe + Gaspedal + MAP: Plausibilitätskette (3–4 Kanäle)

  • CH1/CH2 Pedalspuren (gegenläufig oder 1:2-Verhältnis), CH3 DK-Poti 1, CH4 MAP. Zündung ein, dann Motorlauf mit Gasstößen.
  • Gut: Pedal ↑ → DK folgt nahezu verzögerungsfrei → MAP steigt. Beide Pedalspuren exakt synchron (Verhältnis konstant), beide DK-Spuren spiegelbildlich/konsistent.
  • Fehler: Spurensprung/Aussetzer in EINER Pedalspur → Poti-Verschleiß → Notlauf (P2122/P2127). DK folgt dem Pedal nicht → DK-Steller/Notlauffeder/Verkokung. MAP reagiert nicht auf DK → Falschluft/Schlauch/Sensor. Das Mehrkanalbild zeigt sofort, WELCHES Glied der Kette bricht.
Richtwerte können je nach Hersteller, System, Motorsteuergerät und Messgerät abweichen. Herstellerdaten und Stromlaufplan haben Vorrang.

Schritt-für-Schritt-Prüfpläne

22 Praxisabläufe. Jeder Plan setzt voraus: Sichtprüfung gemacht, Fehlerspeicher gelesen, Batteriespannung i. O. (> 12,4 V Ruhe). Pläne antippen zum Aufklappen.

Motor startet nicht (dreht, springt nicht an)
  1. Tester: Drehzahlsignal beim Starten sichtbar? Nein → KW-Sensor-Messkarte (Oszi an KW-Signal beim Starten). Ja → weiter.
  2. Oszi CH1 an Injektor Zyl. 1, CH2 an Zündspule Zyl. 1 (Ansteuerung): Kommen beim Starten Impulse?
  3. Beide fehlen → Freigabe-Problem: KW/NW-Sync prüfen (2-Kanal), Wegfahrsperre, Hauptrelais/Versorgung STG, Kraftstoffdruck-Startschwelle (Raildruckaufbau-Messung).
  4. Nur Einspritzung fehlt → Raildruck beim Starten messen (Schwelle erreicht?), Pumpenvorlauf, Crash-Abschaltung.
  5. Nur Zündung fehlt → Primäransteuerung am STG-Ausgang prüfen, Spulen-Versorgung (Kl. 15), Endstufe.
  6. Beides da, startet trotzdem nicht → relative Kompression (Starterstrom), Kraftstoffqualität/-druck, Steuerzeiten (KW/NW-Bild).
Motor startet schlecht (lange Orgelzeit)
  1. Raildruck-/Kraftstoffdruckaufbau beim Start aufzeichnen: Schwelle zu spät erreicht → Vorförderung, Pumpe, Leckage, Rücklaufmengen (Diesel).
  2. KW/NW-Sync ansehen: Erkennt das STG die Phase erst spät (NW-Signal gestört), spritzt es verzögert ein.
  3. Batteriespannung beim Starten: Bricht U unter ~9,5 V ein, resetten manche STG → Batterietest U+I.
  4. Kühlmitteltemperatur-Plausibilität (NTC): Falscher Kaltwert → falsche Startanreicherung.
  5. Benziner: erste Lambdareaktion und Injektor-Zeiten nach Start vergleichen (zu mager/zu fett).
Motor geht aus (sporadisch)
  1. Langzeitaufnahme (Roll, hohe Speichertiefe): CH1 KW-Signal, CH2 Versorgung STG (Kl. 15 oder Hauptrelais-Ausgang), CH3 Kraftstoffdruck, CH4 frei für Verdacht.
  2. Beim Absterben Bild einfrieren: Was verschwindet ZUERST?
  3. KW-Signal bricht zuerst weg → Sensor/Verkabelung/Geberrad (Wackler, Temperatur).
  4. Versorgung bricht zuerst → Relais, Zündschloss, Masse, Kl.-30-Verteilung.
  5. Druck fällt zuerst → Pumpe/Versorgung der Pumpe (Pumpenstrom mitloggen).
  6. Alles bleibt, Motor stirbt trotzdem → Drosselklappe/Leerlauffüllung, AGR klemmt, mechanisch.
Ruckeln unter Last
  1. Mitfahrt/Lastsimulation mit Roll-Aufnahme: CH1 LMM, CH2 Raildruck/Kraftstoffdruck, CH3 Pedal, CH4 KW.
  2. Druck bricht beim Ruckeln ein → Versorgung: Pumpe, Filter, Mengenregelventil, Leckage.
  3. LMM-Signal unruhig/Einbrüche → LMM, Falschluft nach LMM, AGR.
  4. KW-Signal mit Aussetzern → Sensor/Leitung (Wackelkontakt-Bild: einzelne fehlende Perioden).
  5. Alle Eingänge sauber → Zündseite je Zylinder (Sekundärbild: Brennspannung/Brenndauer vergleichen) und Injektorströme vergleichen.
  6. Übergangswiderstände: Spannungsabfall Plus/Masse der betroffenen Kreise unter Last.
Fehlzündung / Zündaussetzer (P030x)
  1. Tester: Aussetzerzähler → welcher Zylinder? Zündspule/Injektor testweise quertauschen (wandert der Fehler mit?).
  2. Oszi Primärbild der betroffenen Spule: Dwell normal? Spitze 300–400 V da? Brennlinie 0,8–2 ms?
  3. Brennlinie sehr kurz + hohe Brennspannung → zu großer Elektrodenabstand, magerer Zylinder, Falschluft.
  4. Brennlinie lang + niedrige Spannung → Nebenschluss: Kerze verölt/gerissen, Spulenschaft, fetter Zylinder.
  5. Primärbild gut → Injektor: Spannungsbild + Stromrampe des Zylinders gegen Nachbarn vergleichen.
  6. Elektrik gut → relative Kompression; ggf. In-Cylinder-Druck für Ventile/Steuerzeiten.
Kein Einspritzsignal
  1. Versorgung am Injektorstecker (Kl. 15/Hauptrelais): 12 V bei Zündung ein? Nein → Relais/Sicherung/Leitung.
  2. Oszi an STG-seitiger Leitung beim Starten: Zieht das STG nach Masse? Nein → Freigabe (KW-Signal! Wegfahrsperre, Crash-Signal) oder Endstufe.
  3. Ansteuerung da, Injektor klickt nicht → Stromrampe messen: kein Strom → Spule unterbrochen; Strom ohne Öffnungsbuckel → mechanisch fest.
  4. Gegenprobe: Widerstand Injektorspule (Saugrohr ~12–16 Ω, Hochdruck-Magnet ~1–3 Ω – Richtwerte).
Kein Zündsignal
  1. Versorgung Zündspule (Kl. 15) prüfen – unter Last (Spule angeschlossen), nicht nur leer.
  2. Oszi an Ansteuerleitung (Primär-Steuersignal STG → Spule/Endstufe): Impulse beim Starten?
  3. Keine Impulse → KW-Signal prüfen (ohne Drehzahl keine Zündung), dann STG-Versorgung/Masse, Endstufe.
  4. Impulse da, kein Funke → Primärstrom messen (Rampe da? Windungsschluss?), dann Sekundärbild kapazitiv, Kerze/Stecker.
Keine / einbrechende 5-V-Referenz
  1. 5 V am betroffenen Sensorstecker messen (Zündung ein). Fehlt sie nur hier oder an mehreren Sensoren? → Stromlaufplan: Welche Sensoren teilen sich die Schiene?
  2. Fehlt überall auf der Schiene → Sensoren EINZELN abstecken; kehrt 5 V zurück → letzter abgesteckter Sensor hat internen Kurzschluss.
  3. Kein Sensor schuld → Leitung gegen Masse geprüft (Isolationsfehler, Scheuerstelle) → zuletzt STG verdächtigen.
  4. 5 V bricht nur sporadisch ein → Oszi im Roll-Modus an die Schiene + Rütteltest am Kabelbaum; periodische Einbrüche zeigen den Moment des Kurzschlusses.
  5. Niemals Prüflampe verwenden; Belastung nur hochohmig.
Sensorversorgung bricht ein
  1. Oszi DC an Versorgung des Sensors, parallel Fahrzeug in den Fehlerzustand bringen (Last, Temperatur, Rütteln).
  2. Einbruch synchron mit einem Verbraucher → gemeinsamer Versorgungs-/Massepunkt überlastet oder korrodiert → Spannungsabfallmessung.
  3. Einbruch nur bei Bewegung des Kabelbaums → Wackelkontakt; Stecker/Crimpung der Versorgungsleitung.
  4. Versorgung bricht unter Sensorlast ein (nur mit angestecktem Sensor) → Sensor zieht zu viel Strom (intern defekt).
Massefehler Steuergerät
  1. Symptome sammeln: mehrere „unmögliche" Fehlercodes verschiedener Sensoren gleichzeitig = klassischer Masseverdacht.
  2. Oszi: rote Spitze an STG-Massepin (Backprobe), schwarze an Batterie-Minus. Motor starten / Last zuschalten.
  3. Gut: < ~100 mV auch unter Last. Fehler: Aufschaukeln auf mehrere 100 mV bis Volt → Massepfad verfolgen (Massepunkt Karosserie, Masseband Motor–Karosserie).
  4. Massepunkte lösen, reinigen, fetten, anziehen; danach Kontrollmessung unter gleicher Last.
CAN-Bus Kommunikationsfehler
  1. Tester: Welche STG fehlen? Alle eines Busses → physikalisches Busproblem; nur eines → dessen Versorgung/Masse/Abzweig.
  2. Zündung aus, Bus schlafen lassen: 60-Ω-Messung zwischen CAN-H und CAN-L an der OBD-Buchse (Pin 6/14). ~60 Ω gut · ~120 Ω ein Abschluss fehlt · < 50 Ω Kurzschluss/3. Widerstand.
  3. Zündung ein, Oszi CH1 = H, CH2 = L (1 V/div, 20 µs/div): Spiegelbild um 2,5 V vorhanden?
  4. Beide Leitungen auf demselben Pegel → Kurzschluss H↔L. Eine Leitung klebt an 0 V/12 V → Kurzschluss Masse/Plus → Segment für Segment abstecken bis Pegel zurückkehrt.
  5. Pegel gut, trotzdem Störungen → Mathe-Kanal H−L: Einbrüche der Differenz = Problemquelle; Reflexionen → Terminierung/Stichleitung.
  6. Verursacher-STG gefunden → erst dessen Versorgung + Masse messen, dann erst STG tauschen.
LIN-Bus Kommunikationsfehler
  1. Ruhepegel messen (Zündung ein, Bus wach machen): ~Ubat = Pull-up ok · 0 V = Kurzschluss Masse oder Master tot · schwankend → weiter.
  2. Oszi 5 V/div, 2 ms/div: Sendet der Master (Break + Sync 0x55 zyklisch)? Nein → Master-Versorgung/Masse → Master.
  3. Master sendet, Slave-Antwortfeld bleibt leer → Slave abgesteckt? Versorgung/Masse Slave? → Slave defekt.
  4. Pegel kommt nicht über z. B. 8 V (dominant zu hoch/rezessiv zu niedrig) → ein Teilnehmer zieht halb → Teilnehmer einzeln abstecken.
  5. Nur niedrige Flanken/verschliffen → Pull-up fehlt (Master) oder Leitungs-/Steckerproblem.
Lambdaregelung arbeitet nicht
  1. Motor warm! Vorher regelt das System nicht (Sonde braucht Betriebstemperatur).
  2. Heizung prüfen: PWM-Ansteuerung + Heizstrom (1–2 A nach Anlauf). Keine Heizung → Sonde wird nie aktiv (P0135).
  3. Sondensignal im Leerlauf: Pendelt 0,1–0,9 V? Statisch ~0,45 V → Sonde inaktiv/Signalkreis offen.
  4. Statisch fett oder mager → erst Gemisch prüfen (Falschluft! Raildruck/Einspritzzeiten), nicht reflexhaft Sonde tauschen: Zwangstest fett/mager (Gasstoß/Schub) – reagiert die Sonde schnell, ist sie gut und das GEMISCH ist das Problem.
  5. Sonde reagiert träge (> ~1 s auf Sprung) → Sonde gealtert/vergiftet → ersetzen, Ursache (Ölverbrauch, Additive) klären.
Kat-Wirkungsgrad-Fehler (P0420/P0430)
  1. 2-Kanal Vorkat/Nachkat im warmen Leerlauf und bei 2500/min aufzeichnen.
  2. Nachkat folgt der Vorkatsonde → Kat ohne Speicherfähigkeit. ABER: vorher Falschluft zwischen Kat und Sonde, Sondenalterung und Dauerfett-Betrieb (wäscht Kat leer) ausschließen.
  3. Vorkatsonde selbst träge/asymmetrisch → erst Regelsonde ersetzen, dann erneut bewerten.
  4. Mechanik: Kat-Klappern (zerbröselt), Temperaturdifferenz vor/nach Kat (IR-Thermometer: nach Kat sollte heißer sein).
  5. Erst wenn Gemisch + Sonden + Dichtheit ok: Kat ersetzen. Ursache des Kat-Todes (Aussetzer, Öl, fett) IMMER mit beheben.
ABS-Sensor-Fehler
  1. Tester: Raddrehzahlen im Stand auf 0, bei Probefahrt alle 4 plausibel gleich?
  2. Aktiver Sensor: Versorgung ~12 V da? Stromsignal 7/14 mA (Messwiderstand 100–120 Ω in Masseleitung, Oszi über Widerstand): saubere Rechteckpegel beim Raddrehen?
  3. Statisch 7 mA ohne Wechsel trotz Drehen → Encoderring (Magnetring gerissen/verschmutzt) oder Abstand.
  4. Pegel chaotisch/Aussetzer beim Lenken/Federn → Kabelbruch im Radlauf (Rütteltest).
  5. Passiver Sensor: Amplitude beim Drehen von Hand > ~0,5 Vss und gleichmäßig sinusförmig; Einbrüche → Zahnkranz/Luftspalt.
  6. Vergleichsmessung: gleiches Rad andere Seite – Amplitude und Frequenz müssen vergleichbar sein.
Ladedruckfehler (P0299/P0234)
  1. Tester: Soll- vs. Ist-Ladedruck im Fahrversuch loggen → zu wenig (P0299) oder zu viel (P0234)?
  2. 3-Kanal-Messung: MAP + Steller-PWM + LMM (siehe Komplex-Kapitel).
  3. PWM steigt, Druck folgt nicht → Unterdrucksystem (N75-Ausgangsdruck mit Handpumpe/Manometer), VTG-Gestänge von Hand bewegen (fest?), Wastegate.
  4. Druck folgt, aber zu spät/überschwingt → Steller träge, Gestänge schwergängig → P0234.
  5. PWM bleibt niedrig → STG regelt ab: Eingangsseite prüfen (LMM, MAP-Plausibilität, Abgasgegendruck/DPF).
  6. Mechanik: Ladeluftstrecke abdrücken (Leckage!), Lader-Spiel, verkokte VTG.
Raildruckfehler
  1. Ist-/Solldruck per Tester loggen: Fehlt Druck beim Start, unter Last oder fällt er im Leerlauf?
  2. Startphase: Raildruckaufbau-Messung (Komplex-Kapitel). Schwelle nicht erreicht → Vorförderdruck messen, dann Rücklaufmengentest der Injektoren (ein Leckschläger verhindert Druckaufbau).
  3. Unter Last einbrechend → Vorförderung (Filter!), Hochdruckpumpe, Mengenregelventil-Strom (Zange: regelt es sichtbar?).
  4. Drucksensor-Plausibilität: Spannung drucklos ~0,5 V? Sprünge im Signal → Sensor/Stecker.
  5. Druck zu hoch/Regelschwingen → Druckregelventil klemmt, Rücklauf verstopft.
Generator lädt nicht
  1. Spannung an B+ des Generators bei laufendem Motor: ~14 V? An der Batterie auch? Differenz > 0,5 V → Leitung/Übergangswiderstand B+ (Spannungsabfallmessung unter Last).
  2. Bordnetz nur ~12,x V überall → Generator erregt nicht: LIN/BSD-Kommunikation messen (sendet das STG? antwortet der Regler?) bzw. Kl.-61/L-Leitung bei konventionellen Reglern.
  3. LIN tot → Pull-up/Leitung/Versorgung Regler. LIN ok, lädt trotzdem nicht → Regler/Generator.
  4. Lädt, aber schwankend/zu wenig unter Last → Ripple-Messung (Diodenschaden) + Stromzange (liefert er Nennstrom?). Keilrippenriemen/Freilauf prüfen!
  5. Smart-Charging beachten (z. B. 12,8 V im Schub normal!): erst Sollwert im Tester ansehen, dann urteilen. Nach Batterietausch ggf. BEM/IBS-Anlernung.
Batterie entlädt sich
  1. Batterie selbst testen (Tester/Belastung) – eine defekte Zelle „entlädt sich" von allein.
  2. Ruhestrommessung mit Zange + Roll-Modus 30–60 min (Komplex-Kapitel). Grenzwert ~< 30–50 mA nach Einschlafen.
  3. Strom zu hoch → parallel CAN beobachten: schläft der Bus nicht ein, hält ein STG alles wach → Sicherungskreise segmentieren.
  4. Strom springt zyklisch hoch → Aufweck-Quelle (Türkontakt, Alarmanlage, Telematik, schlecht schließende Klappe).
  5. Generator-Diode prüfen (Ripple + Rückstrom über B+ im Stand: Zange um Generator-B+, Motor aus → muss ~0 sein).
Lüfter läuft dauerhaft
  1. Echte Anforderung? Kühlmittel-/Kältemitteltemperatur und Klimadruck im Tester ansehen – läuft er zu Recht?
  2. PWM-Ansteuerung am Lüftermodul messen: Fordert das STG 100 %? Ja → Eingangsgrößen (NTC! Klimadrucksensor) prüfen – klassisch: KMT-Sensor meldet dauerhaft heiß.
  3. PWM niedrig, Lüfter rennt trotzdem voll → Lüftermodul-Endstufe defekt (klebt) → Modul/Lüfter ersetzen.
  4. Kein PWM (Leitung tot), Lüfter läuft → Notlauf mancher Module bei fehlender Ansteuerung (gewollt!) → erst Leitung reparieren, dann neu bewerten.
PWM-Aktuator ohne Funktion
  1. Versorgung am Aktuatorstecker unter Last prüfen (12 V/5 V je nach Typ).
  2. PWM-Signal da? 0 % dauerhaft → STG steuert nicht an (Freigabebedingung? Eingangssensor? Endstufe?) oder Leitung unterbrochen.
  3. 100 % dauerhaft → Kurzschluss der Leitung nach Masse (bei Low-Side-Ansteuerung) oder STG-Endstufe defekt.
  4. PWM ok → Strom messen: kein Strom → Spule/Motor unterbrochen; Strom da, keine Bewegung → mechanisch fest (Rampe ohne Bewegungs-Knick).
  5. Stellgliedtest des Testers nutzen: trennt sauber zwischen „STG will nicht" und „Aktuator kann nicht".
Sporadischer Fehler / Wackelkontakt
  1. Fehlerspeicher-Umgebungsbedingungen lesen: Wann/Temperatur/Last → Fehler reproduzierbar machen.
  2. Oszi mit hoher Speichertiefe im Roll-Modus auf die verdächtige Leitung; Trigger ggf. auf Aussetzer (Pulse-Width-/Dropout-Trigger, falls vorhanden).
  3. Systematischer Rütteltest: Kabelbaum abschnittsweise bewegen, Stecker leicht wackeln, dabei Bild beobachten – der Aussetzer zeigt den Ort.
  4. Thermisch: Heißluft/Kältespray auf Sensor/Stecker/STG – viele Defekte sind temperaturabhängig.
  5. Gefundene Stelle: Stecker öffnen, Crimpe/Pin-Spannkraft prüfen (Pin zieht sich nicht raus?), Korrosion, gebrochene Litze kurz vor dem Stecker (Biegestelle!).
  6. Nach Reparatur: gleiche Messung + Rütteltest wiederholen = Nachweis.
Richtwerte können je nach Hersteller, System, Motorsteuergerät und Messgerät abweichen. Herstellerdaten und Stromlaufplan haben Vorrang.

5-V-Referenzspannung

Was ist die 5-V-Referenz?

Das Steuergerät erzeugt aus den 12 V des Bordnetzes eine stabilisierte 5,00-V-Versorgung für seine Sensoren. Nur mit stabiler Referenz sind analoge Messwerte (Potis, Drucksensoren) überhaupt auswertbar – der Sensor liefert ja einen Anteil dieser 5 V zurück.

  • Typische Verbraucher: MAP/Ladedrucksensor, Raildrucksensor, DK-/Pedalpotis, Öldrucksensor, DPF-Differenzdruck, Klimadrucksensor, AGR-/VTG-Lagesensoren.
  • Mehrere Schienen: Moderne STG haben 2–3 getrennte 5-V-Regler (z. B. „Referenz A/B"). Ein Kurzschluss legt nur „seine" Schiene lahm – der Stromlaufplan zeigt, welche Sensoren zusammenhängen. Genau das nutzt man zur Eingrenzung!
  • Profi: Sammelfehler wie P0641/P0651/P0697 (Referenz A/B/C Stromkreis) plus mehrere unplausible Sensor-DTCs gleichzeitig = fast immer Schienenproblem, nicht 5 defekte Sensoren.

Warum keine Prüflampe – und warum das STG abschaltet

  • Eine Prüflampe zieht 50–300 mA – der 5-V-Regler liefert oft nur wenige 100 mA für ALLE Sensoren. Die Lampe zieht die Schiene herunter und kann den Regler beschädigen.
  • Der Regler hat eine Strombegrenzung/Abschaltung: Bei Überlast (Kurzschluss eines Sensors!) schaltet er ab oder taktet. Schutzfunktion – aber alle Sensoren der Schiene melden gleichzeitig Unsinn.
  • Messen nur hochohmig: Multimeter (10 MΩ) oder Oszi-Tastkopf.

Diagnose

  1. DMM: 5 V am Sensorstecker (Zündung ein) gegen Sensormasse: 4,9–5,1 V = gut.
  2. Oszi (DC, 1 V/div, dann AC 50 mV/div): Linie glatt? Ripple, Einbrüche, Takten sichtbar?
  3. Schiene tot: Sensoren der Schiene (Stromlaufplan!) einzeln abstecken – kommt 5 V zurück, war der zuletzt abgesteckte Sensor der Kurzschluss.
  4. Kein Sensor schuld: Leitungen gegen Masse prüfen (Scheuerstelle), erst zuletzt STG.
  5. Sporadisch: Roll-Modus + Rütteltest/Temperatur.
  • Einbruch unter Last (nur wenn Sensor angesteckt): Sensor zieht zu viel → Sensor intern defekt.
  • Ripple: Regler am Limit oder Einstreuung – Sensoren nacheinander abstecken, Schirmung/Masseführung prüfen.
  • Periodisches Takten (Schiene bricht zyklisch auf ~0 V ein und versucht neu zu starten): Regler läuft in die Strombegrenzung → satter Kurzschluss auf der Schiene.
  • Nur ohne Last vorhanden: 5 V am abgesteckten Stecker da, bricht beim Anstecken zusammen → hochohmige Leitung/Übergangswiderstand (Korrosion) ODER Sensor-Kurzschluss; Spannungsabfall über die Leitung messen entscheidet.
Richtwerte können je nach Hersteller, System, Motorsteuergerät und Messgerät abweichen. Herstellerdaten und Stromlaufplan haben Vorrang.

Masse- & Spannungsabfallmessung

Prinzip: Über den Widerstand „drüber" messen

Spannungsabfall = die ehrlichste Messung der Fahrzeugelektrik. Statt den Widerstand zu raten, misst man die Spannung, die über einem Leitungsabschnitt unter Strom abfällt. Ohne Strom kein Abfall – deshalb übersieht die stromlose Widerstandsmessung korrodierte Übergänge, die erst unter Last hochohmig werden.

  • Plusseite: rote Messspitze an Batterie-Plus, schwarze an den Plus-Anschluss des Verbrauchers. Anzeige = Verlust über Leitung, Sicherung, Stecker, Relais.
  • Masseseite: rote Spitze an Masseanschluss des Verbrauchers, schwarze an Batterie-Minus. Anzeige = Verlust über Massepfad (Schraubpunkt, Masseband).
  • Richtwerte unter Last: Plusseite gesamt < ~0,3 V · Masseseite < ~0,1–0,2 V · einzelner Stecker/Übergang < ~50 mV · Massepunkt STG < ~100 mV.

Warum mit dem Oszi?

  • Der spannende Abfall passiert im Moment des Stromstoßes (Starter-Einschaltspitze, Glüh-Anlauf, Lüfteranlauf) – das DMM mittelt das weg, das Oszi zeigt es.
  • Wackelkontakte erzeugen sporadische Spitzen im Abfall – nur in der Zeitachse sichtbar (Rütteltest!).
  • Setup: DC · 200 mV/div (empfindlich!) · Zeitbasis je nach Ereignis 100–500 ms/div · Single-Shot auf das Einschalten.
  • Messung beim Starten: Abfall Masseband Motor–Karosserie während des Starterstroms: springt er über ~0,2–0,5 V, frisst das Masseband Startleistung (Symptom: träger Anlasser, „Batterie schon wieder leer").
  • Glühkerzenkreis: Abfall über Zuleitung/GZS unter Glühstrom – 0,5 V Verlust bei 11 V Bordnetz sind ~5 % weniger Glühleistung pro Kerze.
  • Kraftstoffpumpe: Abfall der Plusleitung unter Pumpenstrom – hochohmige Leitung = zu langsamer Pumpenlauf = Druckmangel unter Last (klassischer „nur bei Volllast"-Fehler).
Richtwerte können je nach Hersteller, System, Motorsteuergerät und Messgerät abweichen. Herstellerdaten und Stromlaufplan haben Vorrang.

Fehlerbild-Datenbank

Die 22 wichtigsten Fehlerbilder – unabhängig vom Bauteil. Jedes Bild mit elektrischer, mechanischer und Steuergeräte-Ursache, Prüfstrategie und Verwechslungsgefahr. Antippen zum Aufklappen.

Richtwerte können je nach Hersteller, System, Motorsteuergerät und Messgerät abweichen. Herstellerdaten und Stromlaufplan haben Vorrang.

Glossar

Begriffe von A–Z. Suchfeld oben rechts findet auch Glossareinträge.

Abdeckungs-Checkliste

Selbstprüfung des Kompendiums gegen das Lastenheft:

AnforderungWo
Wichtige Sensoren (KW, NW, LMM, MAP, NTC, Drücke, Raddrehzahl, Klopf, Positionen …)Messkarten → Filter „Sensor"
Wichtige Aktuatoren (Injektoren alle Arten, Zündung, PWM-Ventile, Stellmotoren, Pumpen, Glühen, Starter, Generator, Relais)Messkarten → Filter „Aktor"
Vorkat- UND Nachkatsonde inkl. Kat-WirkungsprüfungMesskarten Lambda + Komplex
CAN & LIN besonders detailliert, alle weiteren BusseBussysteme
Master/Slave & Datenpakete erkennenBussysteme (eigene Kapitel)
Oszi-Einstellungen für jede MessungEinstellungs-Tabelle + jede Messkarte
Gut- und Fehlerbilder mit Warum-ErklärungMesskarten (Umschalter) + Fehlerbild-DB
Ursachen & Lösungen + Gegenprüfung + PlausibilitätJede Messkarte, Felder 13–16
Komplexe MehrkanalmessungenKapitel „Komplex"
22 Schritt-für-Schritt-PrüfpläneKapitel „Prüfpläne"
5-V-Referenz & Masse/SpannungsabfallEigene Kapitel
Mobil lesbar, offline, eine Datei, Suche, Filter, Einsteiger/Profi-ModusApp-Funktionen (Kopfzeile)
Warnhinweise & Richtwert-Kennzeichnung & „schematisch"-StempelDurchgängig (rote Boxen, Disclaimer, Stempel im Bild)
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