KFZ-OSZILLOSKOP-KOMPENDIUM
Lern- und Diagnoseunterlage für die Werkstatt: Messkarten mit Einstellungen, Gut- und Fehlerbildern, Ursachen und Lösungen. Offline nutzbar, für Smartphone optimiert.
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So nutzt du das Kompendium
- Messkarten: pro Bauteil alles auf einen Blick – Einstellungen, Messpunkte, Vorgehen, Gut-/Fehlerbilder mit Umschaltung, Ursachen, Lösungen, Gegenprüfung.
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- Suche findet Messkarten, Kapitel, Glossarbegriffe und Fehlercodes.
- Filter auf der Messkarten-Seite: nach Bauteilgruppe, Signalart und Schwierigkeitsgrad.
Grundlagen
Was misst ein Oszilloskop?
Ein Oszilloskop misst Spannung über der Zeit (X = Zeit, Y = Spannung). Strom wird indirekt gemessen: eine Stromzange wandelt Strom in eine proportionale Spannung (z. B. 100 mV/A) – diesen Faktor immer in die Skalierung einrechnen.
Damit werden sichtbar: Signalform, Amplitude, Frequenz, Tastverhältnis, Flankensteilheit, Spitzen, Einbrüche, Aussetzer, Rauschen und das zeitliche Verhältnis mehrerer Signale zueinander (Mehrkanal).
Oszilloskop vs. Multimeter – warum das Multimeter Fehler versteckt
Ein Multimeter mittelt über viele Millisekunden und zeigt einen Zahlenwert. Es kann nicht zeigen:
- Aussetzer/Wackelkontakte: ein 2-ms-Signalausfall verschwindet im Mittelwert.
- Signalform: Ein verschliffener Hallgeber zeigt am DMM weiter „5 V / 0 V im Wechsel".
- Spannungsspitzen: Induktionsspitzen von 60–400 V sind zu kurz für das DMM.
- PWM: Das DMM zeigt nur den Mittelwert (z. B. 6 V bei 50 % von 12 V) – nicht ob Frequenz und Flanken stimmen.
- Dynamik: Einbrüche der 5-V-Referenz nur unter Last, Lambdaträgheit, Drehzahlschwankungen.
Das Multimeter bleibt richtig für: statische Versorgungsspannungen, Widerstände, Durchgang, Diodentest und als Gegenprüfung zur Plausibilisierung der Oszi-Messung.
Analog vs. digital, Signalarten im Kfz
Analoges Signal: stufenlos veränderliche Spannung, der Wert selbst trägt die Information (NTC, MAP, Potentiometer, Sprungsonde). Fehlerbilder: Sprünge, Aussetzer, Offset, falsche Steigung.
Digitales Signal: nur definierte Pegel (z. B. 0/5 V). Information steckt in Frequenz, Tastverhältnis oder Bitfolge (Hallgeber, PWM, SENT, Bussysteme). Fehlerbilder: falsche Pegel, verschliffene Flanken, fehlende Flanken, falsches Timing.
- Spannungssignal: Wert = Spannung (MAP 0,5–4,5 V).
- Stromsignal: Wert = eingeprägter Strom (aktiver ABS-Sensor 7/14 mA) – robust gegen Übergangswiderstände, Messung per Zange oder Messwiderstand.
- Frequenzsignal: Wert = Frequenz (digitaler LMM, Raddrehzahl).
- PWM-Signal: Wert = Tastverhältnis bei fester Frequenz (Lüfter, Heizungen, Ventile).
- Datenbus-Signal: Information als Bitfolge in Frames (CAN, LIN, SENT, FlexRay).
Sensorprinzipien: induktiv, Hall, optisch, piezoelektrisch
- Induktiv: Bewegter Zahn ändert den Magnetfluss durch eine Spule → induzierte Wechselspannung (u = −N·dΦ/dt). Amplitude und Frequenz steigen mit der Drehzahl, kein Signal im Stillstand, 2-polig, keine Versorgung. Polarität/Anschluss vertauschbar → invertiertes Signal.
- Hall: Stromdurchflossener Halbleiter im Magnetfeld erzeugt Querspannung; integrierte Elektronik schaltet einen Open-Collector-Ausgang → Rechtecksignal mit konstanter Amplitude, auch bei niedrigster Drehzahl. 3-polig (Versorgung, Masse, Signal mit Pull-up).
- Optisch: Lichtschranke + Lochscheibe → Rechteck wie Hall. Heute selten (ältere Verteiler, Lenkwinkelsensoren).
- Piezoelektrisch: Kristall erzeugt Ladung bei mechanischer Verformung → misst nur Änderungen (Klopfsensor: Körperschall; Piezo-Injektor umgekehrt als Aktor). Hochohmig, AC-Kopplung sinnvoll.
Massebezug, Differenzmessung, Floating-Messung
Die Oszi-Masseklemme definiert das Bezugspotenzial. Achtung: Bei Netzbetrieb ohne Trennung sind die Masseklemmen aller Kanäle intern verbunden und ggf. geerdet – zwei Masseklemmen auf unterschiedliche Potenziale = Kurzschluss über das Oszi.
- Masse gegen Batterie-Minus: Standard für Versorgungen und grobe Signale.
- Masse gegen Sensormasse (Pin am Stecker): Pflicht bei kleinen Signalen – eliminiert Masseversatz zwischen Steuergerät und Karosserie.
- Differenzmessung: CH-A minus CH-B (Mathe-Funktion) oder Differenzialtastkopf. Nötig bei CAN (H−L), Messung „über" einem Bauteil ohne Massebezug, Shunt-Messung.
- Floating: Akku-Handoszilloskope mit isolierten Kanälen dürfen potenzialfrei messen. Niemals Erdungsstift am Netz-Oszi abkleben – Lebensgefahr und Messfehler.
AC/DC-Kopplung
DC-Kopplung: zeigt das komplette Signal inkl. Gleichanteil – Standard für fast alle Kfz-Messungen (Sensoren, Aktoren, Busse).
AC-Kopplung: ein Kondensator blockt den Gleichanteil, nur der Wechselanteil bleibt. Ideal für Generator-Ripple (mV-Welligkeit auf 14 V), Rauschen auf Versorgungen, Klopfsensor. Falle: AC-Kopplung verbiegt langsame Signale (PWM mit niedriger Frequenz „kippt" weg) und versteckt Offsetfehler – im Zweifel DC.
Trigger – das stehende Bild
Der Trigger legt fest, wann die Aufzeichnung startet: bei Überschreiten eines Pegels mit definierter Flanke. Ohne sinnvollen Trigger „läuft" das Bild.
- Edge/Flanke: Standard. Pegel in die Mitte des Signals legen, Flanke steigend/fallend je nach Ereignis.
- Auto: zeichnet auch ohne Triggerereignis – gut zum Suchen.
- Normal: zeichnet nur bei Triggerereignis – gut für stehende Bilder.
- Single (Single-Shot): eine einzige Aufzeichnung – für Startvorgänge, sporadische Aussetzer, Einschaltereignisse.
- Pre-Trigger: zeigt die Zeit vor dem Ereignis – entscheidend, um die Ursache vor dem Aussetzer zu sehen.
Zeitbasis, V/div, Tastkopf 1:1 / 10:1
Zeitbasis (s/div): Zeit pro Rasterteilung horizontal. Faustregel: 2–4 Perioden des Signals ins Bild legen. Bus-Bits: µs/div, Sensoren: ms/div, Temperaturverläufe: Roll-Modus mit s/div.
V/div: Spannung pro Rasterteilung vertikal. Signal soll 50–80 % der Bildhöhe füllen – zu klein = Auflösung verschenkt, zu groß = Spitzen abgeschnitten (aber: bewusstes „Hineinzoomen" in Brennlinien o. Ä. ist legitim).
Tastkopf 1:1: volle Empfindlichkeit, aber hohe kapazitive Last und max. ~40–300 V je nach Modell. 10:1: teilt durch 10, belastet das Signal kaum, höhere Spannungsfestigkeit – Standard für Zündung primär, Injektor-Spannung, Piezo. Teilerfaktor am Oszi einstellen, sonst Faktor-10-Fehler! 10:1-Tastkopf am Kalibrierausgang kompensieren (sauberes Rechteck, kein Über-/Unterschwingen).
Abtastrate, Speichertiefe, Bandbreite, Aliasing
Abtastrate: Messpunkte pro Sekunde. Mindestens 10× über der höchsten interessierenden Signalfrequenz bleiben, sonst werden Flanken und Spikes verschluckt.
Speichertiefe: Abtastrate × Aufzeichnungsdauer = benötigte Punkte. Lange Aufzeichnung (Startvorgang, sporadischer Fehler) bei hoher Rate braucht viel Speicher – sonst senkt das Gerät heimlich die Abtastrate.
Bandbreite: analoge Grenzfrequenz des Eingangs. 20 MHz reichen für alles am Kfz inkl. CAN-FD und FlexRay locker.
Aliasing: Wird zu langsam abgetastet, entsteht ein scheinbar sauberes, aber falsches Signal mit zu niedriger Frequenz. Verdacht: Bild ändert sich sprunghaft beim Verstellen der Zeitbasis. Gegenmittel: Zeitbasis schneller, Peak-Detect-Modus aktivieren.
Rauschen, Glättung, Roll-Modus, Cursor-Messung
Rauschen: breiter „pelziger" Strich. Quellen: Zündanlage, DC/DC-Wandler, lange unverdrillte Messleitungen, schlechte Masse. Erst Messaufbau verbessern (kurze Masse, Massefeder statt langer Klemme), dann erst glätten.
Glättung/Average: mittelt mehrere Aufzeichnungen – nur bei periodischen Signalen sinnvoll; versteckt sporadische Aussetzer! Für Fehlersuche meist aus.
Roll-Modus: Signal läuft wie ein Schreiber von rechts ein – für langsame Vorgänge (Temperatur, Lambda-Regelung über Minuten, Ruhestrom).
Cursor: zwei Linien zum Ausmessen von ΔU und Δt. Aus Δt folgt Frequenz (f = 1/T), Tastverhältnis (t_high/T), Bitzeit, Einspritzzeit, Dwell, Brenndauer.
Rise-/Fall-Time: Zeit von 10 % auf 90 % der Flanke. Verschliffene Flanken deuten auf kapazitive Last, schwachen Treiber, korrodierte Kontakte oder fehlenden Pull-up.
Spannungsspitzen, Induktionsspitzen, Masseversatz, Spannungsabfall
Induktionsspitze: Beim Abschalten einer Spule (Injektor, Ventil, Zündspule, Relais) erzwingt die Induktivität den Stromfluss weiter → Spannung steigt steil an (u = −L·di/dt), bis eine Klemmung (Z-Diode im Steuergerät, Funke) begrenzt. Die Spitze ist ein Gesundheitszeichen: fehlt sie, war kein Strom geflossen (Unterbrechung) oder die Wicklung hat einen Windungsschluss (Spitze zu klein).
Masseversatz: Spannungsdifferenz zwischen zwei „Massen" (Karosserie vs. Steuergerätemasse) durch Übergangswiderstände + Strom. Folge: Signale erscheinen verschoben, Buspegel stimmen nicht, sporadische Fehler. Messen: Oszi zwischen die beiden Massepunkte, unter Last (< 100 mV üblich gut).
Spannungsabfall unter Last: Übergangswiderstände zeigen sich erst bei Stromfluss. Deshalb: Spannungsabfall über Leitungen/Kontakten immer bei eingeschaltetem Verbraucher messen (Kapitel „Masse & Spannungsabfall").
Elektronik-Basics: Pull-up, Open-Collector, PWM, Spulenstrom, H-Brücke
- Pull-up/Pull-down: Widerstand zieht eine Leitung auf definiertes Ruhepotenzial (z. B. 5 V oder 12 V). Der Sensor/das Steuergerät schaltet aktiv nur gegen Masse. Fehlt der Pull-up (Leitungsbruch zur Versorgung), bleibt das Signal auf 0 V „liegend".
- Open-Collector/Open-Drain: Ausgang kann nur nach Masse ziehen, der High-Pegel kommt allein vom Pull-up – erklärt, warum viele Sensorsignale „high" als Ruhezustand haben (Hallgeber, LIN).
- PWM-Ansteuerung: schnelles Ein/Aus statt Linearregelung – verlustarm. Bei induktiven Lasten glättet die Spule den Strom; auf der Spannungsleitung sieht man Rechteck + Abschaltspitzen.
- Stromanstieg in Spulen: i(t) = U/R·(1−e^(−t·R/L)) – der Strom steigt rampenförmig, nie sprunghaft. Form der Rampe = Diagnose von Wicklung und mechanischer Bewegung (Öffnungsbuckel beim Injektor!).
- H-Brücke: vier Schalter erlauben Stromfluss in beide Richtungen → Stellmotoren vor/zurück. Beide Motorleitungen führen geschaltete PWM, Messung am besten differenziell oder Strom per Zange.
- Luftspalt: Bei induktiven Sensoren geht die Amplitude etwa quadratisch mit dem Abstand zurück – zu großer Luftspalt = zu kleines Signal bei niedriger Drehzahl (Startdrehzahl!).
- Abschirmung / Einkopplung: Kapazitiv (parallel laufende Leitung mit steilen Flanken, z. B. Zündung) und induktiv (Stromschleifen). Geschirmte Sensorleitungen nur einseitig auf Masse. Beim Messen: kurze Masseleitung, weg von Zündkabeln.
Typische Messfehler (selbstverschuldet)
- Falsche Masse: Masseklemme an lackiertem Blech oder weit weg vom Sensor → Offset, Brummen, „Geistersignale". Immer Sensormasse bzw. saubere Motormasse.
- Falsche Kopplung: AC-Kopplung bei langsamer PWM → Signal kippt; DC bei Ripple-Messung → Welligkeit unsichtbar klein.
- Falsche Zeitbasis: zu langsam → Aliasing/Spikes weg; zu schnell → man sieht nur ein Flankenstück und hält es für DC.
- Tastkopf-Faktor: 10:1 angeschlossen, Oszi auf 1:1 → alle Werte um Faktor 10 falsch.
- Tastkopf unkompensiert: Rechtecke mit Überschwinger oder verschliffen, obwohl das Signal sauber ist.
- Glättung/Average an: Aussetzer und Spikes werden weggemittelt.
- Backprobe-Kurzschluss: Nadel berührt Nachbarpin oder Steckergehäuse – siehe Sicherheit.
Equipment
Geräte & Zubehör – wofür?
| Equipment | Einsatz |
|---|---|
| 2-Kanal-Oszilloskop | Standard: ein Signal + Referenz (z. B. KW + NW, Spannung + Strom). |
| 4-Kanal-Oszilloskop | Komplexe Messungen: KW + NW + Injektor + Zündung; Ladedruckregelung; ABS-Vergleich. |
| Isoliertes Oszi / Akku-Handgerät | Floating-Messungen, Messung „über" Bauteilen, sicher ohne Erdbezug. |
| Differenzialtastkopf | CAN H−L, Shunts, Messungen ohne Massebezug am Netz-Oszi, höhere Spannungen. |
| 10:1-Tastkopf | Standardtastkopf; Pflicht bei Zündung primär, Injektorspannung, Piezo (Spannungsfestigkeit!). |
| Stromzange klein (mA–20/60 A) | Injektorströme, Pumpen, Ventile, Ruhestrom, aktiver ABS-Sensor. |
| Stromzange groß (bis 600/1000 A) | Starterstrom, relative Kompression, Glühanlage gesamt, Generatorstrom. |
| Kapazitiver Zündabgriff / Sekundär-Pickup | Sekundärzündbild an Zündkabel oder Einzelspule ohne Eingriff. |
| Hochspannungs-/HT-Adapter, 1000:1-Teiler | Direkter Sekundärabgriff (KV-Bereich) – nur mit geeignetem Zubehör! |
| Backprobe-Nadeln | Kontaktierung am gesteckten Stecker von der Leitungsseite – ohne Isolation zu durchstechen. |
| Breakout-Kabel / Adapterleitungen | Zwischenstecker für Injektoren, LMM, Lambdasonde – sauber messen ohne Nadeln. |
| CAN/LIN-Breakout-Box (OBD) | Bequemer Buszugriff an Pin 6/14 (CAN), Terminierungsmessung, K-Line Pin 7. |
| Prüfspitzen, kurze + lange Masseleitung | Kurze Masse = weniger Rauschen; lange Masse nur für träge Signale. |
| BNC-Kabel | Verbindung Zangen/Adapter ans Oszi; auf Teilerfaktor achten. |
| Prüflast / Glühlampe 21 W | Belastet Versorgungen, deckt Übergangswiderstände auf (statt Prüflampe an Signalen!). |
| Widerstandsdekade | Sensorsimulation (NTC, Poti), Pull-up-Ersatz, Abschlusswiderstandstest. |
| Signalgenerator | Simulation von Hall-/Drehzahlsignalen, Test von Steuergeräteeingängen. |
| OBD-Diagnosetester (z. B. Autel) | Fehlerspeicher, Istwerte, Stellgliedtest – immer parallel zur Oszi-Messung nutzen. |
| Stromlaufplan + Pinbelegung + Herstellerdaten | Ohne Plan keine seriöse Messung: Pins, Sollwerte, Signalwege, Massepunkte. |
| Ladegerät / Stützladegerät | Lange Messungen mit Zündung ein – Spannungseinbrüche verfälschen sonst alles. |
| Sicherungsmessadapter (Shunt) | Strommessung über den Sicherungssteckplatz – ideal für Ruhestrom-Eingrenzung. |
Messart → Mindest-Equipment
| Messart | Equipment |
|---|---|
| Sensorsignale (Hall, analog, NTC) | 1 Kanal, 1:1 oder 10:1, Backprobe, Sensormasse |
| Induktive Sensoren | 1 Kanal, 10:1 (Spannung drehzahlabhängig hoch), beide Sensorpins |
| Injektoren / Zündung primär | 10:1 Pflicht, ggf. Stromzange klein parallel (2 Kanäle) |
| Zündung sekundär | Kapazitiver Abgriff oder HT-Adapter, niemals direkt mit Standardtastkopf |
| Busse (CAN/LIN/SENT) | 2 Kanäle (CAN H+L), 1:1/10:1, OBD-Breakout, µs-Zeitbasis |
| Starter / Glühkerzen / Generator | Große Stromzange, 1–2 Kanäle (U + I) |
| Ruhestrom | mA-Zange oder Sicherungsadapter, Roll-Modus |
| Spannungsabfall | 1 Kanal zwischen zwei Punkten, Verbraucher unter Last |
Sicherheit
Regeln am Steuergerät und an Signalleitungen
- Keine Prüflampe an Signalleitungen: Eine 21-W-Prüflampe zieht ~1,75 A – Steuergeräteausgänge und die 5-V-Referenz sterben daran oder schalten ab. Prüflampe nur an Last-Stromkreisen (Pumpe, Glühkerze) verwenden, an Signalen LED-Tester oder Oszi.
- Backprobing ohne Kurzschluss: Nadeln einzeln setzen, nie zwei blanke Nadeln nebeneinander unfixiert hängen lassen, Krokoklemmen isolieren. Nadel nur an der Leitungsseite einführen, Dichtung nicht zerstören, danach Stecker auf Sitz prüfen.
- Nichts einstechen: Isolation durchstechen = künftige Korrosionsstelle, besonders im Spritzwasserbereich. Breakout-Adapter bevorzugen.
- Vorsicht bei Piezo-Injektoren: Ansteuerspannungen 60–200 V, Kondensatorverhalten – Stecker nie bei laufender Ansteuerung abziehen, nicht mit 1:1-Tastkopf messen.
- Glühanlage / Starter: hohe Ströme (20–1000 A) – Stromzange statt Auftrennen, Quetsch-/Brandgefahr an Polklemmen, Uhren und Ringe ab.
- Drehende Teile / heiße Teile: Messleitungen vom Lüfter, Riementrieb und Abgaskrümmer fernhalten, Leitungen zugentlasten.
Masse richtig wählen
Es gibt am Fahrzeug nicht „die" Masse, sondern mehrere Potenziale, die über Übergangswiderstände verbunden sind:
- Batterie-Minus: Referenz für Versorgungsmessungen und Spannungsabfall Masseseite.
- Karosseriemasse: kann bei korrodierten Massebändern mehrere 100 mV gegen Batterie-Minus „schwimmen" (unter Last!).
- Sensormasse (Steuergerätemasse am Sensorpin): die richtige Referenz für Sensorsignale – das Steuergerät „sieht" das Signal gegen genau diese Masse.
- Steuergeräte-Massepins: Referenz, wenn das Steuergerät selbst geprüft wird (Massepins gegen Batterie-Minus unter Last < ~100 mV).
Warum eine falsche Masse das Signal verfälscht: Misst du ein 5-V-Sensorsignal gegen Karosserie, addiert sich jeder Masseversatz (z. B. 300 mV unter Lüfterlast) auf dein Bild – das Signal erscheint verschoben, „rauscht" im Takt der Verbraucher, und du jagst einen Sensorfehler, der ein Massefehler ist.
Oszi-Einstellungen je Messung
Startwerte für die wichtigsten Messungen. Detailierte Anleitung, Gut-/Fehlerbilder und Interpretation: jeweilige Messkarte. Motorzustände: Z=Zündung ein, S=Starten, LL=Leerlauf, G=Gasstoß, L=Lastfahrt, SB=Schubbetrieb.
| Messung | Kanäle | Kopplung | Tastkopf | V/div | Zeitbasis | Trigger | Messpunkt + | Messpunkt − | Zustand |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Kurbelwelle induktiv | 1 | DC | 10:1 | 2–5 V | 5–10 ms (S), 2 ms (LL) | Flanke ↑, ~1 V | Sensor Pin Sig | Sensor Pin 2 | S, LL |
| KW / NW Hall | 1–2 | DC | 1:1/10:1 | 1–2 V | 10–20 ms | Flanke ↑, 2,5 V | Signalpin | Sensormasse | S, LL |
| KW↔NW Synchronisation | 2 | DC | 10:1 | CH1 2 V, CH2 2 V | 20–50 ms | CH1 Lücke/Flanke ↑ | beide Signalpins | Sensormasse | LL |
| LMM analog | 1 | DC | 1:1 | 1 V | 200–500 ms | Auto | Signalpin | Sensormasse | Z, LL, G |
| LMM digital (Frequenz) | 1 | DC | 1:1 | 2 V | 100–200 µs | Flanke ↑, 2,5 V | Signalpin | Sensormasse | LL, G |
| MAP / Ladedruck | 1 | DC | 1:1 | 1 V | 200–500 ms | Auto | Signalpin | Sensormasse | Z, LL, G, L |
| Drosselklappe (2 Poti/Hall) | 2 | DC | 1:1 | 1 V | 500 ms – 1 s | Auto | Sig 1 + Sig 2 | Sensormasse | Z (Pedaltest) |
| Gaspedal (2 Spuren) | 2 | DC | 1:1 | 1 V | 500 ms – 1 s | Auto | Spur 1 + 2 | Sensormasse | Z |
| NTC-Temperatur | 1 | DC | 1:1 | 1 V | Roll, 1–5 s | — | Signalpin | Sensormasse | Warmlauf |
| Raildruck | 1 | DC | 1:1 | 0,5–1 V | 500 ms (S), Roll | Single (Start) | Signalpin | Sensormasse | Z, S, LL, G |
| DPF-Differenzdruck | 1 | DC | 1:1 | 0,5 V | Roll, 1 s | — | Signalpin | Sensormasse | LL, G |
| Klopfsensor | 1 | AC | 1:1 | 0,2–1 V | 2–10 ms | Auto / Single | Signalpin | Schirm/2. Pin | LL + Klopftest |
| Raddrehzahl aktiv (Strom) | 1 | DC | mA-Zange/Shunt | 5–10 mA bzw. 0,5 V | 5–10 ms | Flanke ↑ | Zange um Sig-Leitung | — | Rad drehen |
| Raddrehzahl passiv | 1 | DC/AC | 1:1 | 0,5–2 V | 10–20 ms | Flanke ↑, 0 V | Sensorpin 1 | Sensorpin 2 | Rad drehen |
| Lambdasonde Sprung (vor Kat) | 1 | DC | 1:1 | 0,2 V | 1–2 s/div bzw. Roll | Auto | Signalpin (schwarz) | Sondenmasse (grau) | LL warm, G, SB |
| Nachkatsonde | 1 (2 mit Vorkat) | DC | 1:1 | 0,2 V | Roll, 1–2 s | — | Signalpin | Sondenmasse | LL warm, G, SB |
| Sondenheizung | 1 (+I-Zange) | DC | 1:1 | 5 V | 5–10 ms | Flanke ↓ | Heizung Minuspin | Masse | LL kalt→warm |
| Einspritzventil Saugrohr (U) | 1 (+I) | DC | 10:1 | 10–20 V | 2 ms | Flanke ↓, 6 V | Ventil Minuspin (STG-Seite) | Batterie-Minus | LL, G |
| Injektorstrom (Saugrohr/DI/CR) | 1–2 | DC | Stromzange 20 A | 2–5 A | 0,5–2 ms | Flanke ↑ Strom | Zange um Plusleitung | — | LL, G |
| CR-Piezo-Injektor (U) | 1 | DC | 10:1 (≥300 V) | 50 V | 0,5–1 ms | Flanke ↑ | Injektorpin 1 | Injektorpin 2 (diff.!) | LL |
| Zündspule primär | 1 (+I) | DC | 10:1 (≥400 V) | 50 V | 1–2 ms | Flanke ↑, 50 V | Kl. 1 / Spule Minuspin | Batterie-Minus | LL, G |
| Zündung sekundär | 1 | DC | kap. Abgriff | gerätespez. (kV) | 1–2 ms | Flanke ↑ | Abgriff an Kabel/Spule | Motormasse | LL, G |
| PWM-Magnetventil (N75/AGR/TEV) | 1 | DC | 10:1 | 5 V | 2–10 ms | Flanke ↓ | Ventil Minuspin | Masse | LL, G, Stellgliedtest |
| Stellmotor H-Brücke | 2 (+I) | DC | 10:1 | 5 V | 2–5 ms | Flanke ↑ | Motorpin 1 + 2 | Masse | Z, Stellgliedtest |
| Kraftstoffpumpe (I) | 1 | DC | Zange 20/60 A | 2–5 A | 10–20 ms | Auto | Zange um Plusleitung | — | Z, LL |
| Glühkerzen (I) | 1 | DC | Zange 60/200 A | 10–20 A | Roll, 1–2 s | — | Zange um Zuleitung | — | Z kalt |
| Starterstrom / rel. Kompression | 1 (+U Batt) | DC | Zange 600/1000 A | 100–200 A | 100–200 ms, Single | Strom ↑ | Zange um Batt-Plus/Minus | — | S (Einspr. deaktiviert) |
| Generator-Ripple | 1 | AC | 1:1 | 0,2–0,5 V | 5–10 ms | Auto | B+ am Generator | Gehäuse/Masse | LL + Last |
| CAN High-Speed | 2 | DC | 1:1/10:1 | 1 V | 10–20 µs (Bits), 1 ms (Frames) | Flanke ↓ CAN-H… s. Kapitel | CAN-H + CAN-L (OBD 6/14) | Masse (OBD 4/5) | Z |
| LIN-Bus | 1 | DC | 10:1 | 5 V | 1–2 ms (Frame), 100 µs (Bits) | Flanke ↓, 6 V | LIN-Leitung | Masse | Z |
| SENT | 1 | DC | 1:1 | 2 V | 50–100 µs | Flanke ↓ | Signalpin | Sensormasse | Z |
| K-Line | 1 | DC | 10:1 | 5 V | 1–5 ms | Flanke ↓ | OBD Pin 7 | OBD Pin 4/5 | Z + Testerabfrage |
| 5-V-Referenz | 1 | DC (AC für Ripple) | 1:1 | 1 V (50 mV AC) | 10 ms / Roll | Auto | 5-V-Pin am Sensor | Sensormasse | Z, S, LL |
| Spannungsabfall Masse/Plus | 1 | DC | 1:1 | 0,2 V | 100 ms / Roll | Auto/Single | Punkt A (z. B. STG-Massepin) | Punkt B (Batt-Minus) | unter Last |
| Ruhestrom | 1 | DC | mA-Zange | 50–100 mA | Roll, 10 s+ | — | Zange um Batt-Minus | — | Fzg. verriegelt, schlafend |
Messkarten
Bussysteme
CAN High-Speed 500 kbit/s
Aufgabe & Topologie
Antriebs- und Fahrwerksbus (Motor, Getriebe, ABS/ESP). Linientopologie mit zwei verdrillten Leitungen CAN-H und CAN-L und zwei 120-Ω-Abschlusswiderständen an den Enden (oft im Motor-STG und Kombiinstrument). Typisch 500 kbit/s (Antrieb), auch 250/125 kbit/s.
Pegel & Zustände
- Rezessiv (Ruhe, Bit „1"): beide Leitungen ~2,5 V → Differenz ≈ 0 V.
- Dominant (Bit „0"): CAN-H → ~3,5 V, CAN-L → ~1,5 V → Differenz ≈ 2 V.
- Dominant „gewinnt" immer gegen rezessiv – Basis der Arbitrierung: Senden zwei Teilnehmer gleichzeitig, setzt sich die Botschaft mit dem niedrigeren (dominanteren) Identifier verlustfrei durch.
Warum CAN störsicher ist
Der Empfänger wertet nur die Differenz H−L aus. Eine Störung (Zündimpuls, Masseversatz) trifft beide verdrillten Leitungen gleich (Gleichtakt) und fällt bei der Differenzbildung heraus. Deshalb: Wenn H und L im Oszi spiegelbildlich zueinander laufen, ist die Physik gesund.
Frame-Aufbau (vereinfacht)
SOF (1 dominantes Bit) → Identifier (11/29 Bit, Priorität) → Steuerbits → Datenfeld (0–8 Byte) → CRC (Prüfsumme) → ACK → EOF. Das ACK-Bit wird vom Sender rezessiv gesendet und von jedem fehlerfrei empfangenden Teilnehmer dominant überschrieben – im Oszi als einzelner „fremder", oft leicht höherer Puls am Frame-Ende erkennbar. Fehlt jedes ACK, hört niemand zu (Bus tot, nur ein Teilnehmer wach).
Oszi-Einstellung
Datenpakete mit dem Oszi „lesen"
Mit dem Standard-Oszi erkennst du: Aktivität (sendet überhaupt jemand?), Pegel, Spiegelbildlichkeit, Bitzeit (Cursor: 1 Bit bei 500 kbit/s = 2 µs), Frames mit Pausen, Buslast und Störungen. Inhalte dekodieren (welches Steuergerät, welche Daten) ist mit reinem Oszi nicht sinnvoll – dafür Decoder-Funktion (z. B. Rigol/Pico CAN-Decode) oder Logikanalysator/Tester. Erkennen ≠ Dekodieren.
60-Ω-Messung (Terminierung)
Zündung aus, Bus schlafend (ggf. Batterie kurz abklemmen): Ohmmeter zwischen CAN-H und CAN-L → ≈ 60 Ω (2 × 120 Ω parallel). ~120 Ω = ein Abschluss fehlt/Leitung unterbrochen · < 50 Ω = zu viele Abschlüsse oder Teilkurzschluss · ∞ = Unterbrechung beider Pfade oder Messung am abgehängten Stummel.
Fehlerbilder
- Kurzschluss CAN-H ↔ CAN-L: beide Leitungen kleben aufeinander (~2,5 V), keine Differenz, Bus tot, meist Vielzahl „Kommunikation"-DTCs in allen Steuergeräten.
- Kurzschluss gegen Masse: betroffene Leitung liegt auf 0 V, die andere versucht weiter zu arbeiten; Differenz verzerrt; Bus meist tot (High-Speed-CAN ist nicht eindrahtfähig).
- Kurzschluss gegen Plus: Leitung klebt auf ~12 V.
- Unterbrechung: hinter der Bruchstelle keine Signale; vor der Bruchstelle ggf. Reflexionen/Treppen; 60-Ω-Messung wird je nach Messort 120 Ω.
- Terminierung fehlt: Überschwinger/Klingeln auf den Flanken (Reflexionen am offenen Ende), Amplitude wirkt zu hoch, sporadische Fehler bei langen Leitungen.
- Nur eine Leitung aktiv: eine Leitung pulst, die andere ist starr → Bruch oder Kurzschluss einer Ader, keine Spiegelbildlichkeit, Differenzsignal halbiert/verzerrt.
- Masseversatz: ganzes Pegelpaar nach oben/unten verschoben (z. B. rezessiv bei 3,2 V statt 2,5 V) – Massepfad des sendenden Steuergeräts prüfen.
- Ein Steuergerät zieht den Bus herunter: Dauer-dominant oder periodische Störframes. Eingrenzen: Steuergeräte nacheinander abstecken (Stromlaufplan: wo trennt man Busäste?), bis das Bild gesund wird.
- Bus schläft nicht ein: nach Verriegeln dauerhaft Frames → ein Teilnehmer hält den Bus wach → Ruhestromproblem (Karte „Ruhestrom" / Komplexe Messungen).
Diagnose Schritt für Schritt
- OBD-Breakout: Pegel CAN-H/CAN-L mit Zündung ein ansehen (2,5 V Ruhe, Aktivität, Spiegelbild?).
- Bitzeit per Cursor prüfen → Baudrate plausibel?
- Zündung aus, Bus schlafen lassen → 60-Ω-Messung.
- Pegel falsch/starr: Spannungsmessung jeder Leitung gegen Masse und gegen Plus (Kurzschlussrichtung erkennen).
- Fehler eingrenzen: Bus an Steckverbindern/Steuergeräten segmentweise trennen, nach jedem Schritt Bild neu bewerten.
- Gefundene Stelle: Leitung, Stecker, Steuergerät? Sichtprüfung Marderbiss/Scheuerstellen, Pin-Korrosion.
CAN Low-Speed / Fault-Tolerant 125 kbit/s
Komfortbus (Türen, Sitze, Klima – je nach Hersteller). Andere Ruhepegel als High-Speed-CAN: rezessiv CAN-L ≈ 5 V (bzw. ~11 V je nach Transceiver) und CAN-H ≈ 0 V; dominant CAN-H ≈ 3,6 V, CAN-L ≈ 1,4 V. Terminierung verteilt in den Steuergeräten (keine 60-Ω-Regel!).
Fault-tolerant: Bei Bruch oder Kurzschluss einer Leitung schaltet der Transceiver auf Eindrahtbetrieb gegen Masse um – das Fahrzeug funktioniert scheinbar weiter, oft nur sporadische DTCs. Deshalb: Beide Leitungen einzeln prüfen, auch wenn „alles geht".
CAN FD bis 2–8 Mbit/s
Wie CAN-HS (gleiche Pegel, gleiche Leitungen, gleiche 60-Ω-Messung), aber: nach der Arbitrierungsphase schaltet der Frame in eine schnellere Datenphase (typ. 2–5 Mbit/s) mit bis zu 64 Byte Daten. Im Oszi erkennbar als Frame, dessen Bits „mittendrin schneller werden". Zeitbasis 2–5 µs/div; Abtastrate hoch wählen. Diagnosephysik identisch zu CAN-HS.
LIN-Bus 19,2 kbit/s
Aufgabe & Prinzip
Kostengünstiger Eindraht-Bus für Slave-Peripherie: Generator (LIN-geregelt), Klimabedienteil/Stellmotoren, Türmodule, Batteriesensor, Lüftermodul, Wischer, Regensensor. Master-Slave: genau ein Master (meist ein Karosserie-/Komfort-STG) pollt die Slaves nach Zeitplan; Slaves senden nur nach Aufforderung.
Physik
- Eine Leitung + Masse; Ruhepegel ≈ Batteriespannung über Pull-up (Master ~1 kΩ + Diode, Slaves ~30 kΩ).
- Dominant = Low (< 20 % UBat), rezessiv = High (> 80 % UBat). Open-Collector: jeder darf nur nach Masse ziehen.
- Max. 20 kbit/s, üblich 19,2/9,6 kbit/s → Bitzeit ~52 µs. Flanken bewusst verschliffen (EMV).
Frame-Aufbau
Break (≥ 13 Bit dominant, im Oszi der auffällig lange Low-Block) → Sync 0x55 (gleichmäßiges 10101010-Muster zur Taktsynchronisation) → Identifier (Botschafts-ID + Parität) – bis hier sendet immer der Master („Header"). Danach folgt die Response (Datenbytes + Checksumme) – je nach ID vom Master selbst oder von einem Slave.
Master / Slave im Bild erkennen
- Master sendet: jeder Frame beginnt mit Break + Sync + ID – das ist der Master-Header.
- Slave antwortet: nach dem Header folgen ohne neuen Break weitere Bytes – kommt die Response von einem anderen Teilnehmer, sieht man oft minimal andere Low-Pegel oder Flankenform (anderer Treiber, anderer Leitungsweg).
- Keine Slave-Antwort: Header wiederholt sich, danach bleibt die Leitung rezessiv (High) bis zum nächsten Break → Slave fehlt/ohne Versorgung/defekt.
- Slave zieht Bus herunter: Leitung dauerhaft < 1 V, kein Frame mehr erkennbar → Slaves nacheinander abstecken, bis Pegel auf UBat springt.
- Bus schläft / wacht: schlafend = ruhig auf UBat-Pegel ohne Frames; Wake-up = dominanter Impuls (250 µs–5 ms), danach beginnt der Master zu pollen.
Typische Fehlerbilder
- Leitung offen (zum Slave): Slave antwortet nicht; am abgehängten Stück nur ~UBat statisch (Slave-Pull-up) oder 0 V.
- Kurzschluss Masse: dauerhaft 0 V – Bus tot, aber LIN-Transceiver überleben das (kurzschlussfest).
- Kurzschluss Plus: dauerhaft UBat, keine dominanten Pegel mehr möglich.
- Pull-up fehlt (Master-Versorgung/Leitung): Pegel bricht zusammen, schwache verschliffene „Hügel" statt sauberer Rechtecke.
- Defekter Master: gar keine Breaks/Header → ganze LIN-Peripherie tot; Versorgung und Wake-Bedingungen des Masters prüfen.
- Massefehler am Slave: Low-Pegel des Slaves zu hoch (z. B. 2 V statt < 1 V) → Übergangswiderstand in dessen Massepfad.
- Falsche Versorgung: Ruhepegel deutlich unter UBat → Vorwiderstand/Korrosion in der Busleitung oder schwacher Pull-up.
Praxis: Am LIN-geregelten Generator zeigt die Messung an der LIN-Klemme sofort, ob das Motorsteuergerät pollt (Header da?) und ob der Generator antwortet – klassische Diagnose bei „Generator lädt nicht" mit Kl.-15-LIN-Generatoren (siehe Messkarte Generator).
FlexRay 10 Mbit/s
Deterministischer Hochgeschwindigkeitsbus (Fahrwerk, z. B. BMW F-/G-Modelle: ICM, Dämpfer). Zwei Leitungen BP/BM, differenziell, Zeitschlitzverfahren (jeder Teilnehmer sendet in festen Slots – kein klassisches Master/Slave, sondern Zeitplan). Idle: beide ~2,5 V; aktiv: Differenz ±~1 V wechselnd, Bursts in festem Zyklusraster (typ. 5 ms Zyklus).
Mit dem Oszi sinnvoll prüfbar: Aktivität in regelmäßigen Zyklen, Pegel, Spiegelbildlichkeit, Terminierung (≈ 45–55 Ω zwischen BP/BM je nach Topologie – Herstellerwert!), Kurzschlüsse. Inhalte: nur mit Spezialwerkzeug. Zeitbasis 1–2 µs/div für Bits, 2 ms/div für Zyklen.
K-Line 10,4 kbit/s
Ältere Diagnoseleitung (ISO 9141 / KWP2000), OBD Pin 7 (ggf. L-Line Pin 15). Eindraht, Ruhepegel ≈ UBat über Pull-up, dominant Low – Physik wie LIN, aber Kommunikation nur bei Testerabfrage. Diagnose: Mit angeschlossenem Tester Init-Sequenz (langsame 5-Baud-Adressierung oder Fast-Init-Impuls) und Antworten des Steuergeräts sichtbar? Keine Antwort = Versorgung/Masse des STG oder Leitung prüfen.
SENT Nibble-Protokoll
Digitale Eindraht-Sensorschnittstelle (SAE J2716), ersetzt analoge Signale z. B. bei Hochdruck-, Pedal-, Temperatur- und Positionssensoren (häufig VAG ab ~2012). 5-V-Pegel, Information steckt in der Zeit zwischen fallenden Flanken: feste Ticks (typ. 3 µs), ein Nibble (4 Bit) = 12–27 Ticks Pausenlänge. Sensor sendet zyklisch von selbst (kein Master nötig – der Sensor ist „Dauersender").
Oszi-Check: 5-V-Pegel sauber? Regelmäßige Pulsgruppen mit variablen Abständen? Flanken steil? Fehlerbilder: Signal starr (Sensor tot, Versorgung fehlt), Pegel falsch (Masse-/Versorgungsproblem), unsaubere Flanken (Leitung/Stecker). Dekodieren der Werte: Tester/Decoder.
PSI5 Airbag-Sensorik
Zweidraht-Stromschnittstelle für Crash-/Drucksensoren: Sensor wird vom Airbag-STG versorgt und moduliert seine Daten als Stromimpulse (Manchester-codiert) auf die Versorgung.
BSD / BSS – Bitserielle Schnittstelle Eindraht
Bosch-Eindrahtschnittstelle zwischen Motorsteuergerät, Generator und intelligentem Batteriesensor (IBS) – Vorgänger/Alternative zur LIN-Lösung (verbreitet bei BMW, Mercedes). Physik LIN-ähnlich: Ruhe ≈ UBat, dominante Low-Impulse, niedrige Bitrate. Diagnose wie LIN: Pollt das Motor-STG? Antwortet Generator/IBS? Pegel und Massepfad des Sensors prüfen. Nach Batteriewechsel/IBS-Reset Lernwerte beachten.
MOST & Automotive Ethernet eingeschränkt
MOST: Multimedia-Ring, meist Lichtwellenleiter – mit dem Oszi nicht messbar (optisch). Elektrische MOST-Varianten und die Wake-/Versorgungsleitungen sind messbar; Ringbruchdiagnose per Tester/Ringbruchmaster.
Automotive Ethernet (100/1000BASE-T1): ein verdrilltes Paar, vollduplex – beide Richtungen liegen gleichzeitig auf demselben Paar. Mit Standard-Oszi sieht man nur „Aktivität ja/nein" und grobe Amplitude (~±1 V differenziell); Auswertung unmöglich. Sinnvoll prüfbar: Versorgung, Aktivität, Leitungswiderstand (~100 Ω differenziell, paarsymmetrisch), Stecker. Alles Weitere: Diagnose über DoIP/Tester.
Master & Slave – Erkennung in der Praxis
- Master: initiiert die Kommunikation, gibt Takt/Zeitplan vor, besitzt meist den starken Pull-up (LIN) bzw. die Diagnose-Gateway-Rolle. Slave: antwortet nur nach Aufforderung (LIN, K-Line) bzw. sendet ereignisgesteuert gleichberechtigt (CAN: Multi-Master – dort gibt es keinen Bus-Master, nur Arbitrierung; SENT: Sensor sendet autonom).
- Im Stromlaufplan: Master erkennbar am Knoten, von dem die Busleitung „sternförmig"/durchgeschleift zu den Slaves führt, am Pull-up-Widerstand, an Kl.-15/30-Versorgung und Gateway-Funktion. Slaves: Endgeräte mit Bus-Pin + Versorgung + Masse.
- Im Signal: Wer beginnt nach Wake-up als Erster? Wessen Frames kommen im festen Raster (Master-Schedule)? Folgt auf einen Header eine Antwort (Slave lebt) oder Stille (Slave fehlt)?
- Master fehlt: Bus komplett still trotz Versorgung (LIN: Ruhepegel da, aber keine Breaks). Slave fehlt: Header ohne Response, Funktion des betroffenen Bauteils tot, Rest läuft.
- Slave blockiert den Bus: Leitung dauerhaft dominant → sukzessives Abstecken, zuletzt abgesteckter Teilnehmer ist der Täter (oder dessen Leitungsast).
- Grenzen des Oszis: Welcher Identifier zu welchem Steuergerät gehört, sieht man nicht – dafür Tester (Teilnehmerliste, „Verbauliste") oder Decoder. Das Oszi beantwortet die physikalische Frage: Wer sendet überhaupt, mit welchem Pegel, in welchem Takt.
Datenpakete erkennen – Frame-Anatomie
- Analog vs. Datenpaket: Analog = kontinuierlicher Wert; Paket = Gruppen aus zwei festen Pegeln mit Pausen dazwischen. Pakete wiederholen sich zyklisch (Buslast) oder ereignisgesteuert.
- Startbit / SOF / Break: definierter Beginn (CAN: 1 dominantes Bit; LIN: langer Break; SENT: Sync-Puls von 56 Ticks).
- Sync: regelmäßiges Muster zur Takteinmessung (LIN 0x55 → gleichmäßige Bitfolge, perfekt zum Cursor-Ausmessen der Bitzeit!).
- Identifier → Datenfeld → Prüfsumme/CRC → ACK: Reihenfolge in fast jedem Protokoll gleich; im Oszi als unterschiedlich „dichte" Bitbereiche erkennbar.
- Fehlerframe/Paketwiederholung: identische Frames in schneller Folge oder abgebrochene Frames = ein Teilnehmer stört/empfängt nicht (CAN sendet automatisch neu).
- Zeitbasis wählen: ganze Frames → ms/div; einzelne Bits → Bitzeit × 10 ins Bild (CAN 500 k: 20 µs/div · LIN: 200 µs/div · SENT: 50 µs/div).
- Bitzeit per Cursor: kürzesten Pegelwechsel ausmessen → Baudrate = 1/Bitzeit. 2 µs → 500 kbit/s; 52 µs → 19,2 kbit/s.
- Wann Decoder/Logikanalysator: sobald die Frage „was steht in der Botschaft" lautet, bei sporadischen Protokollfehlern (Stuff-Error, CRC) und bei Gateway-Problemen.
Komplexe Mehrkanalmessungen
Hier spielt das Oszi seine eigentliche Stärke aus: mehrere Signale zeitgleich ansehen und in Beziehung setzen. Erst der Vergleich macht viele Fehler sichtbar, die einzeln „gut" aussehen.
KW/NW-Synchronisation (2 Kanäle)
| Kanal | Signal | Messpunkt | Einstellung |
|---|---|---|---|
| CH1 | Kurbelwelle | Signalleitung KW-Sensor | DC · 2 V/div (Hall) bzw. 10 V/div (ind.) · 20 ms/div |
| CH2 | Nockenwelle | Signalleitung NW-Sensor | DC · 2 V/div · Trigger auf CH2 ↑ |
- Vorgehen: Auf NW triggern (1 Flanke pro 2 KW-Umdrehungen), Leerlauf, Bild einfrieren. Position der NW-Flanke relativ zur KW-Zahnlücke notieren – das ist die „Signatur" dieses Motors.
- Gut: NW-Flanke steht bei jeder Aufnahme an derselben Stelle relativ zur Lücke (±1 Zahn Toleranz je nach System).
- Fehler: NW-Flanke um ≥1–2 Zähne verschoben → gelängte Kette, übersprungener Riemen, verstellter Versteller (hängt in Spät/Früh), falsch montiert. DTC: P0016/P0017.
- Praxis: Vor Zerlegung Referenzbild eines baugleichen, intakten Motors besorgen (oder Hersteller-Sollbild). Bei VVT: Messung kalt UND warm – hängender Versteller zeigt sich oft erst warm.
Relative Kompression über Starterstrom (1–2 Kanäle)
| Kanal | Signal | Messpunkt | Einstellung |
|---|---|---|---|
| CH1 | Starterstrom | Große Stromzange um Batterie-Plus/Starterleitung | DC · 100 A/div · 200 ms/div · Single |
| CH2 (opt.) | Zünd-/Injektorsignal Zyl. 1 | Ansteuerleitung Zyl. 1 | Als Zylinder-Referenz |
- Vorgehen: Einspritzung/Zündung deaktivieren (Sicherung/Tester), Motor 3–5 s durchdrehen, Strombild aufzeichnen.
- Gut: Nach der Einschaltspitze (bis ~600 A) gleichmäßige Strombuckel – jeder Buckel = ein Zylinder in Kompression. Alle Buckel gleich hoch (±10 %).
- Fehler: Ein periodisch flacher Buckel = ein Zylinder mit Minderkompression (Ventil, Ringe, Dichtung). Mit CH2-Referenz lässt sich der Zylinder über die Zündfolge zuordnen.
- Grenze: Relativ! Sind ALLE Zylinder gleich schlecht (verschlissener Motor), sieht das Bild „gut" aus. Absolutwert nur per Druckmessung.
Zylinderdruck + KW-Signal / In-Cylinder-Analyse (2–3 Kanäle)
- Aufbau: Drucksensor (z. B. WPS500X) statt Zündkerze/Glühkerze in den Zylinder, CH1 = Druck, CH2 = KW-Signal, optional CH3 = Zündung Zyl. 1.
- Was man sieht: Kompressions-Spitzendruck (Anlasserdrehzahl Benziner ~10–14 bar Richtwert), OT-Lage relativ zur KW-Lücke, Ventilsteuerzeiten als „Knicke" in der Expansions-/Ansaugphase (Auslass öffnet ~140–150° n. ZOT, Einlass öffnet um OT Ladungswechsel).
- Diagnosen: Verstellte Steuerzeiten (Knicke wandern), undichtes Ventil (Druckverlust, verformte Kompressionskurve), Zündzeitpunkt vs. Druckmaximum (Soll ~10–15° n. OT bei Leerlauf), Abgasgegendruck im Ansaugtakt (verstopfter Kat → erhöhte „Auspufftasche").
- Profi-Tipp: Vakuum-Anteil der Kurve (Ansaugtakt) zeigt Drosselverluste und Falschluft; die 720°-Periodizität ordnet alle Ereignisse den 4 Takten zu.
Ladedruckregelung: 3-Kanal (MAP + Steller + LMM)
| Kanal | Signal | Einstellung |
|---|---|---|
| CH1 | Ladedrucksensor (analog 0,5–4,5 V) | DC · 1 V/div |
| CH2 | PWM Ladedruckregelventil / VTG-Steller | DC · 5 V/div |
| CH3 | LMM-Signal | DC · 1 V/div · Zeitbasis 500 ms/div, Roll |
- Vorgehen: Lastfahrt oder Gasstoß im Stand. Beobachten: STG erhöht PWM-Tastgrad → Ladedruck (CH1) folgt → Luftmasse (CH3) steigt mit.
- Gut: Druck folgt dem Tastgrad verzögerungsarm und ohne Überschwingen über den Soll-Spitzenwert.
- Fehler lokalisieren: PWM ändert sich, Druck reagiert nicht → Steller/Unterdruckdose/Gestänge/VTG fest. PWM bleibt stur → STG sieht Eingangsfehler (Sensorseite prüfen). Druck überschwingt (P0234) → Steller träge/Gestänge schwergängig. Druck zu niedrig trotz 100 % Ansteuerung (P0299) → Leckage, Lader, festes VTG.
Raildruckaufbau beim Start (3 Kanäle)
- CH1 Raildrucksensor-Signal (DC, 1 V/div) · CH2 KW-Signal · CH3 Injektor-Ansteuerung Zyl. 1 (oder Stromzange Hochdruckpumpen-Mengenregelventil).
- Gut: Mit den ersten KW-Umdrehungen steigt das Drucksignal zügig von ~0,5 V auf Startschwelle (~1,0–1,3 V ≈ 200+ bar), DANN erst beginnen Injektorimpulse → Motor startet nach 1–2 s.
- Fehler: Druck steigt nicht/zu langsam → Hochdruckpumpe, Mengenregelventil, Leckage (Rücklaufmengen!), Vorförderdruck. Druck da, aber keine Injektorimpulse → Freigabe fehlt (KW/NW-Sync, Wegfahrsperre). Druck bricht beim Startversuch periodisch ein → ein Injektor mit interner Leckage.
Fehlzündung über KW-Drehzahländerung (1–2 Kanäle)
- Prinzip: Jede Verbrennung beschleunigt die Kurbelwelle kurz. Bleibt sie aus, verlängert sich die Zahnperiode messbar – genau so erkennt es auch das STG (Laufunruhe-Werte).
- Messung: CH1 KW-Signal (lange Aufnahme 1–2 s, hohe Speichertiefe), CH2 Zündansteuerung Zyl. 1 als Referenz. Im gezoomten Bild: Zahnabstände nach jeder Zündung vergleichen.
- Gut: gleichmäßige Periodenfolge mit feinem „Atmen" pro Arbeitstakt. Fehler: periodische Verlangsamung immer an derselben Stelle der Zündfolge → dieser Zylinder zündet nicht durch (dann weiter: Zündung? Einspritzung? Kompression?).
- Praxis-Shortcut: Laufunruhewerte aus dem Tester sind oft schneller – das Oszi braucht man, wenn der Tester keine Werte liefert oder die Zuordnung KW-Signal/Mechanik selbst in Frage steht.
Generatorprüfung: Ripple + Stromzange (2 Kanäle)
- CH1 AC-gekoppelt an B+ (200 mV/div, 2 ms/div) → Ripple. CH2 große Stromzange um B+-Leitung (20 A/div) → Laststrom.
- Vorgehen: Leerlauf, dann Verbraucher zuschalten (Heckscheibe, Licht, Gebläse). Ripple und Strom gleichzeitig beobachten.
- Gut: Ripple gleichmäßig, klein (< ~500 mVss auch unter Last), Strom steigt mit Verbrauchern sauber an.
- Fehler: Periodischer tiefer Einbruch im Ripple (jede 6. Halbwelle) = defekte Diode → Generator liefert nur Teilleistung, Strom bleibt unter Erwartung. Stark wachsender Ripple unter Last = Dioden/Stator. Vergiss die Batterie nicht: schlechte Batterie vergrößert sichtbaren Ripple.
Batterietest beim Start: U + I (2 Kanäle)
- CH1 Batteriespannung direkt an den Polen (DC, 2 V/div, Offset ~10 V). CH2 große Stromzange Starterleitung (200 A/div). Zeitbasis 500 ms/div, Single-Shot auf Stromanstieg.
- Gut: U fällt bei der Einschaltspitze kurz auf ~9,5–10,5 V, erholt sich sofort auf > 10,5 V während des Durchdrehens; I-Spitze bis ~600 A, dann 80–200 A Buckelmuster.
- Fehler: U bricht unter ~9,5 V (warm) bzw. ~8,5 V (kalt) ein → Batterie schwach/defekt oder Übergangswiderstand (dann: Spannungsabfallmessung Plus- und Masseseite hinterherschieben!). I-Spitze sehr klein + U bricht ein → Übergangswiderstand im Starterkreis. I normal, dreht aber langsam → mechanisch schwergängig/Starter.
Spannungsabfall Plus- und Masseseite unter Last (2 Kanäle)
- Plusseite: CH1 rote Spitze an Batterie-Plus, schwarze (Oszi-Masse) an Verbraucher-Plus → Differenz = Abfall über Leitung+Sicherung+Stecker. Masseseite: CH2 zwischen Verbraucher-Masse und Batterie-Minus.
- Wichtig: Nur unter Last messen (Starter, Glühen, Lüfter volle Stufe)! Ohne Strom kein Spannungsabfall – deshalb „findet" das Multimeter im Stand nichts.
- Gut: < ~0,3 V Plusseite, < ~0,1–0,2 V Masseseite beim Starten (Richtwerte). Fehler: Sprunghafter oder hoher Abfall → korrodierter Übergang, gebrochene Litze, lockerer Massepunkt. Die Oszi-Zeitachse zeigt zusätzlich Wackler beim Rütteln.
Parasitärer Ruhestrom (Stromzange, Roll-Modus)
- Aufbau: mA-fähige Zange um Batterie-Minus, Roll-Modus 10 s/div, Fahrzeug verriegeln, 30–60 min aufzeichnen.
- Gut: Nach Steuergeräte-Nachlauf (5–30 min, je nach Fahrzeug) fällt der Strom stufig auf < ~30–50 mA (Richtwert, moderne Fahrzeuge teils < 20 mA).
- Fehler: Strom bleibt hoch oder springt periodisch hoch (STG wacht zyklisch auf → meist Busruhe gestört). Kombiniere mit CAN-Messung: Wacht der Bus periodisch auf? Welcher Verbraucher? → Sicherungen ziehen oder Wärmebild.
- Vorsicht: Türkontakt überlisten (verriegeln, Haube-Schalter), sonst schläft nichts ein. Zangen-Nullpunkt vor Messung abgleichen (Drift!).
CAN/LIN-Wake-up und Schlafmodus (2 Kanäle)
- CH1 CAN-H (oder LIN), CH2 Ruhestrom-Zange. Roll-Modus. Fahrzeug verriegeln und beobachten, wie Busaktivität endet und Strom fällt.
- Gut: Busverkehr endet wenige Minuten nach Verriegeln → Pegel ruhig (CAN 2,5 V / LIN ~Ubat) → Strom fällt stufig. Beim Aufschließen: Wake-up-Frame, Bus startet sofort.
- Fehler „Bus schläft nicht ein": Frames laufen endlos weiter → ein STG hält den Bus wach. Eingrenzen: Sicherungen segmentweise ziehen, dabei Strom + Bus beobachten. Fehler „wacht nicht auf": kein Frame nach Weckereignis → Versorgung/Masse des Masters bzw. Wake-up-Leitung prüfen.
Lambda Vorkat/Nachkat + Kat-Speicherfähigkeit (2 Kanäle)
- CH1 Vorkatsonde, CH2 Nachkatsonde (je 200 mV/div, 1 s/div, Roll). Motor betriebswarm.
- Gut: CH1 pendelt lebhaft 0,1–0,9 V (~0,5–2 Hz), CH2 liegt ruhig (~0,6–0,7 V, träge Bewegung) – der Kat puffert Sauerstoff und glättet die Schwingung.
- Kat verschlissen: CH2 beginnt der Vorkatsonde zu „folgen" (gleiche Frequenz, fast gleiche Amplitude) → keine Speicherfähigkeit mehr, P0420.
- Tests: Gasstoß → beide reagieren kurz fett, CH2 deutlich gedämpfter. Schubabschaltung → beide fallen mager (< 0,1 V); erholt sich CH2 nach Schubende SOFORT mit, ist der Kat leer (defekt). Achtung Falschluft vor CH2-Bewertung ausschließen.
AGR-Regelung mit LMM und MAP (3 Kanäle)
- CH1 AGR-Ansteuerung (PWM/Lage), CH2 LMM-Signal, CH3 MAP. Leerlauf/leichte Last, Roll-Modus.
- Physik: Öffnet das AGR, ersetzt Abgas einen Teil der Frischluft → LMM-Signal MUSS sinken, MAP steigt leicht. Diese Gegenbewegung ist der Plausibilitäts-Klassiker.
- Gut: AGR auf → LMM runter (deutlich, z. B. Diesel LL von ~350 auf ~200 mg/Hub sinngemäß im Spannungssignal). AGR zu → LMM rauf.
- Fehler: AGR angesteuert, LMM ändert sich nicht → Ventil öffnet nicht (fest, Gestänge, Unterdruck) oder Kanäle zugekokt. LMM reagiert ohne AGR-Befehl mit → AGR klemmt offen (Leerlaufruckeln, Startprobleme).
Drosselklappe + Gaspedal + MAP: Plausibilitätskette (3–4 Kanäle)
- CH1/CH2 Pedalspuren (gegenläufig oder 1:2-Verhältnis), CH3 DK-Poti 1, CH4 MAP. Zündung ein, dann Motorlauf mit Gasstößen.
- Gut: Pedal ↑ → DK folgt nahezu verzögerungsfrei → MAP steigt. Beide Pedalspuren exakt synchron (Verhältnis konstant), beide DK-Spuren spiegelbildlich/konsistent.
- Fehler: Spurensprung/Aussetzer in EINER Pedalspur → Poti-Verschleiß → Notlauf (P2122/P2127). DK folgt dem Pedal nicht → DK-Steller/Notlauffeder/Verkokung. MAP reagiert nicht auf DK → Falschluft/Schlauch/Sensor. Das Mehrkanalbild zeigt sofort, WELCHES Glied der Kette bricht.
Schritt-für-Schritt-Prüfpläne
22 Praxisabläufe. Jeder Plan setzt voraus: Sichtprüfung gemacht, Fehlerspeicher gelesen, Batteriespannung i. O. (> 12,4 V Ruhe). Pläne antippen zum Aufklappen.
Motor startet nicht (dreht, springt nicht an)
- Tester: Drehzahlsignal beim Starten sichtbar? Nein → KW-Sensor-Messkarte (Oszi an KW-Signal beim Starten). Ja → weiter.
- Oszi CH1 an Injektor Zyl. 1, CH2 an Zündspule Zyl. 1 (Ansteuerung): Kommen beim Starten Impulse?
- Beide fehlen → Freigabe-Problem: KW/NW-Sync prüfen (2-Kanal), Wegfahrsperre, Hauptrelais/Versorgung STG, Kraftstoffdruck-Startschwelle (Raildruckaufbau-Messung).
- Nur Einspritzung fehlt → Raildruck beim Starten messen (Schwelle erreicht?), Pumpenvorlauf, Crash-Abschaltung.
- Nur Zündung fehlt → Primäransteuerung am STG-Ausgang prüfen, Spulen-Versorgung (Kl. 15), Endstufe.
- Beides da, startet trotzdem nicht → relative Kompression (Starterstrom), Kraftstoffqualität/-druck, Steuerzeiten (KW/NW-Bild).
Motor startet schlecht (lange Orgelzeit)
- Raildruck-/Kraftstoffdruckaufbau beim Start aufzeichnen: Schwelle zu spät erreicht → Vorförderung, Pumpe, Leckage, Rücklaufmengen (Diesel).
- KW/NW-Sync ansehen: Erkennt das STG die Phase erst spät (NW-Signal gestört), spritzt es verzögert ein.
- Batteriespannung beim Starten: Bricht U unter ~9,5 V ein, resetten manche STG → Batterietest U+I.
- Kühlmitteltemperatur-Plausibilität (NTC): Falscher Kaltwert → falsche Startanreicherung.
- Benziner: erste Lambdareaktion und Injektor-Zeiten nach Start vergleichen (zu mager/zu fett).
Motor geht aus (sporadisch)
- Langzeitaufnahme (Roll, hohe Speichertiefe): CH1 KW-Signal, CH2 Versorgung STG (Kl. 15 oder Hauptrelais-Ausgang), CH3 Kraftstoffdruck, CH4 frei für Verdacht.
- Beim Absterben Bild einfrieren: Was verschwindet ZUERST?
- KW-Signal bricht zuerst weg → Sensor/Verkabelung/Geberrad (Wackler, Temperatur).
- Versorgung bricht zuerst → Relais, Zündschloss, Masse, Kl.-30-Verteilung.
- Druck fällt zuerst → Pumpe/Versorgung der Pumpe (Pumpenstrom mitloggen).
- Alles bleibt, Motor stirbt trotzdem → Drosselklappe/Leerlauffüllung, AGR klemmt, mechanisch.
Ruckeln unter Last
- Mitfahrt/Lastsimulation mit Roll-Aufnahme: CH1 LMM, CH2 Raildruck/Kraftstoffdruck, CH3 Pedal, CH4 KW.
- Druck bricht beim Ruckeln ein → Versorgung: Pumpe, Filter, Mengenregelventil, Leckage.
- LMM-Signal unruhig/Einbrüche → LMM, Falschluft nach LMM, AGR.
- KW-Signal mit Aussetzern → Sensor/Leitung (Wackelkontakt-Bild: einzelne fehlende Perioden).
- Alle Eingänge sauber → Zündseite je Zylinder (Sekundärbild: Brennspannung/Brenndauer vergleichen) und Injektorströme vergleichen.
- Übergangswiderstände: Spannungsabfall Plus/Masse der betroffenen Kreise unter Last.
Fehlzündung / Zündaussetzer (P030x)
- Tester: Aussetzerzähler → welcher Zylinder? Zündspule/Injektor testweise quertauschen (wandert der Fehler mit?).
- Oszi Primärbild der betroffenen Spule: Dwell normal? Spitze 300–400 V da? Brennlinie 0,8–2 ms?
- Brennlinie sehr kurz + hohe Brennspannung → zu großer Elektrodenabstand, magerer Zylinder, Falschluft.
- Brennlinie lang + niedrige Spannung → Nebenschluss: Kerze verölt/gerissen, Spulenschaft, fetter Zylinder.
- Primärbild gut → Injektor: Spannungsbild + Stromrampe des Zylinders gegen Nachbarn vergleichen.
- Elektrik gut → relative Kompression; ggf. In-Cylinder-Druck für Ventile/Steuerzeiten.
Kein Einspritzsignal
- Versorgung am Injektorstecker (Kl. 15/Hauptrelais): 12 V bei Zündung ein? Nein → Relais/Sicherung/Leitung.
- Oszi an STG-seitiger Leitung beim Starten: Zieht das STG nach Masse? Nein → Freigabe (KW-Signal! Wegfahrsperre, Crash-Signal) oder Endstufe.
- Ansteuerung da, Injektor klickt nicht → Stromrampe messen: kein Strom → Spule unterbrochen; Strom ohne Öffnungsbuckel → mechanisch fest.
- Gegenprobe: Widerstand Injektorspule (Saugrohr ~12–16 Ω, Hochdruck-Magnet ~1–3 Ω – Richtwerte).
Kein Zündsignal
- Versorgung Zündspule (Kl. 15) prüfen – unter Last (Spule angeschlossen), nicht nur leer.
- Oszi an Ansteuerleitung (Primär-Steuersignal STG → Spule/Endstufe): Impulse beim Starten?
- Keine Impulse → KW-Signal prüfen (ohne Drehzahl keine Zündung), dann STG-Versorgung/Masse, Endstufe.
- Impulse da, kein Funke → Primärstrom messen (Rampe da? Windungsschluss?), dann Sekundärbild kapazitiv, Kerze/Stecker.
Keine / einbrechende 5-V-Referenz
- 5 V am betroffenen Sensorstecker messen (Zündung ein). Fehlt sie nur hier oder an mehreren Sensoren? → Stromlaufplan: Welche Sensoren teilen sich die Schiene?
- Fehlt überall auf der Schiene → Sensoren EINZELN abstecken; kehrt 5 V zurück → letzter abgesteckter Sensor hat internen Kurzschluss.
- Kein Sensor schuld → Leitung gegen Masse geprüft (Isolationsfehler, Scheuerstelle) → zuletzt STG verdächtigen.
- 5 V bricht nur sporadisch ein → Oszi im Roll-Modus an die Schiene + Rütteltest am Kabelbaum; periodische Einbrüche zeigen den Moment des Kurzschlusses.
- Niemals Prüflampe verwenden; Belastung nur hochohmig.
Sensorversorgung bricht ein
- Oszi DC an Versorgung des Sensors, parallel Fahrzeug in den Fehlerzustand bringen (Last, Temperatur, Rütteln).
- Einbruch synchron mit einem Verbraucher → gemeinsamer Versorgungs-/Massepunkt überlastet oder korrodiert → Spannungsabfallmessung.
- Einbruch nur bei Bewegung des Kabelbaums → Wackelkontakt; Stecker/Crimpung der Versorgungsleitung.
- Versorgung bricht unter Sensorlast ein (nur mit angestecktem Sensor) → Sensor zieht zu viel Strom (intern defekt).
Massefehler Steuergerät
- Symptome sammeln: mehrere „unmögliche" Fehlercodes verschiedener Sensoren gleichzeitig = klassischer Masseverdacht.
- Oszi: rote Spitze an STG-Massepin (Backprobe), schwarze an Batterie-Minus. Motor starten / Last zuschalten.
- Gut: < ~100 mV auch unter Last. Fehler: Aufschaukeln auf mehrere 100 mV bis Volt → Massepfad verfolgen (Massepunkt Karosserie, Masseband Motor–Karosserie).
- Massepunkte lösen, reinigen, fetten, anziehen; danach Kontrollmessung unter gleicher Last.
CAN-Bus Kommunikationsfehler
- Tester: Welche STG fehlen? Alle eines Busses → physikalisches Busproblem; nur eines → dessen Versorgung/Masse/Abzweig.
- Zündung aus, Bus schlafen lassen: 60-Ω-Messung zwischen CAN-H und CAN-L an der OBD-Buchse (Pin 6/14). ~60 Ω gut · ~120 Ω ein Abschluss fehlt · < 50 Ω Kurzschluss/3. Widerstand.
- Zündung ein, Oszi CH1 = H, CH2 = L (1 V/div, 20 µs/div): Spiegelbild um 2,5 V vorhanden?
- Beide Leitungen auf demselben Pegel → Kurzschluss H↔L. Eine Leitung klebt an 0 V/12 V → Kurzschluss Masse/Plus → Segment für Segment abstecken bis Pegel zurückkehrt.
- Pegel gut, trotzdem Störungen → Mathe-Kanal H−L: Einbrüche der Differenz = Problemquelle; Reflexionen → Terminierung/Stichleitung.
- Verursacher-STG gefunden → erst dessen Versorgung + Masse messen, dann erst STG tauschen.
LIN-Bus Kommunikationsfehler
- Ruhepegel messen (Zündung ein, Bus wach machen): ~Ubat = Pull-up ok · 0 V = Kurzschluss Masse oder Master tot · schwankend → weiter.
- Oszi 5 V/div, 2 ms/div: Sendet der Master (Break + Sync 0x55 zyklisch)? Nein → Master-Versorgung/Masse → Master.
- Master sendet, Slave-Antwortfeld bleibt leer → Slave abgesteckt? Versorgung/Masse Slave? → Slave defekt.
- Pegel kommt nicht über z. B. 8 V (dominant zu hoch/rezessiv zu niedrig) → ein Teilnehmer zieht halb → Teilnehmer einzeln abstecken.
- Nur niedrige Flanken/verschliffen → Pull-up fehlt (Master) oder Leitungs-/Steckerproblem.
Lambdaregelung arbeitet nicht
- Motor warm! Vorher regelt das System nicht (Sonde braucht Betriebstemperatur).
- Heizung prüfen: PWM-Ansteuerung + Heizstrom (1–2 A nach Anlauf). Keine Heizung → Sonde wird nie aktiv (P0135).
- Sondensignal im Leerlauf: Pendelt 0,1–0,9 V? Statisch ~0,45 V → Sonde inaktiv/Signalkreis offen.
- Statisch fett oder mager → erst Gemisch prüfen (Falschluft! Raildruck/Einspritzzeiten), nicht reflexhaft Sonde tauschen: Zwangstest fett/mager (Gasstoß/Schub) – reagiert die Sonde schnell, ist sie gut und das GEMISCH ist das Problem.
- Sonde reagiert träge (> ~1 s auf Sprung) → Sonde gealtert/vergiftet → ersetzen, Ursache (Ölverbrauch, Additive) klären.
Kat-Wirkungsgrad-Fehler (P0420/P0430)
- 2-Kanal Vorkat/Nachkat im warmen Leerlauf und bei 2500/min aufzeichnen.
- Nachkat folgt der Vorkatsonde → Kat ohne Speicherfähigkeit. ABER: vorher Falschluft zwischen Kat und Sonde, Sondenalterung und Dauerfett-Betrieb (wäscht Kat leer) ausschließen.
- Vorkatsonde selbst träge/asymmetrisch → erst Regelsonde ersetzen, dann erneut bewerten.
- Mechanik: Kat-Klappern (zerbröselt), Temperaturdifferenz vor/nach Kat (IR-Thermometer: nach Kat sollte heißer sein).
- Erst wenn Gemisch + Sonden + Dichtheit ok: Kat ersetzen. Ursache des Kat-Todes (Aussetzer, Öl, fett) IMMER mit beheben.
ABS-Sensor-Fehler
- Tester: Raddrehzahlen im Stand auf 0, bei Probefahrt alle 4 plausibel gleich?
- Aktiver Sensor: Versorgung ~12 V da? Stromsignal 7/14 mA (Messwiderstand 100–120 Ω in Masseleitung, Oszi über Widerstand): saubere Rechteckpegel beim Raddrehen?
- Statisch 7 mA ohne Wechsel trotz Drehen → Encoderring (Magnetring gerissen/verschmutzt) oder Abstand.
- Pegel chaotisch/Aussetzer beim Lenken/Federn → Kabelbruch im Radlauf (Rütteltest).
- Passiver Sensor: Amplitude beim Drehen von Hand > ~0,5 Vss und gleichmäßig sinusförmig; Einbrüche → Zahnkranz/Luftspalt.
- Vergleichsmessung: gleiches Rad andere Seite – Amplitude und Frequenz müssen vergleichbar sein.
Ladedruckfehler (P0299/P0234)
- Tester: Soll- vs. Ist-Ladedruck im Fahrversuch loggen → zu wenig (P0299) oder zu viel (P0234)?
- 3-Kanal-Messung: MAP + Steller-PWM + LMM (siehe Komplex-Kapitel).
- PWM steigt, Druck folgt nicht → Unterdrucksystem (N75-Ausgangsdruck mit Handpumpe/Manometer), VTG-Gestänge von Hand bewegen (fest?), Wastegate.
- Druck folgt, aber zu spät/überschwingt → Steller träge, Gestänge schwergängig → P0234.
- PWM bleibt niedrig → STG regelt ab: Eingangsseite prüfen (LMM, MAP-Plausibilität, Abgasgegendruck/DPF).
- Mechanik: Ladeluftstrecke abdrücken (Leckage!), Lader-Spiel, verkokte VTG.
Raildruckfehler
- Ist-/Solldruck per Tester loggen: Fehlt Druck beim Start, unter Last oder fällt er im Leerlauf?
- Startphase: Raildruckaufbau-Messung (Komplex-Kapitel). Schwelle nicht erreicht → Vorförderdruck messen, dann Rücklaufmengentest der Injektoren (ein Leckschläger verhindert Druckaufbau).
- Unter Last einbrechend → Vorförderung (Filter!), Hochdruckpumpe, Mengenregelventil-Strom (Zange: regelt es sichtbar?).
- Drucksensor-Plausibilität: Spannung drucklos ~0,5 V? Sprünge im Signal → Sensor/Stecker.
- Druck zu hoch/Regelschwingen → Druckregelventil klemmt, Rücklauf verstopft.
Generator lädt nicht
- Spannung an B+ des Generators bei laufendem Motor: ~14 V? An der Batterie auch? Differenz > 0,5 V → Leitung/Übergangswiderstand B+ (Spannungsabfallmessung unter Last).
- Bordnetz nur ~12,x V überall → Generator erregt nicht: LIN/BSD-Kommunikation messen (sendet das STG? antwortet der Regler?) bzw. Kl.-61/L-Leitung bei konventionellen Reglern.
- LIN tot → Pull-up/Leitung/Versorgung Regler. LIN ok, lädt trotzdem nicht → Regler/Generator.
- Lädt, aber schwankend/zu wenig unter Last → Ripple-Messung (Diodenschaden) + Stromzange (liefert er Nennstrom?). Keilrippenriemen/Freilauf prüfen!
- Smart-Charging beachten (z. B. 12,8 V im Schub normal!): erst Sollwert im Tester ansehen, dann urteilen. Nach Batterietausch ggf. BEM/IBS-Anlernung.
Batterie entlädt sich
- Batterie selbst testen (Tester/Belastung) – eine defekte Zelle „entlädt sich" von allein.
- Ruhestrommessung mit Zange + Roll-Modus 30–60 min (Komplex-Kapitel). Grenzwert ~< 30–50 mA nach Einschlafen.
- Strom zu hoch → parallel CAN beobachten: schläft der Bus nicht ein, hält ein STG alles wach → Sicherungskreise segmentieren.
- Strom springt zyklisch hoch → Aufweck-Quelle (Türkontakt, Alarmanlage, Telematik, schlecht schließende Klappe).
- Generator-Diode prüfen (Ripple + Rückstrom über B+ im Stand: Zange um Generator-B+, Motor aus → muss ~0 sein).
Lüfter läuft dauerhaft
- Echte Anforderung? Kühlmittel-/Kältemitteltemperatur und Klimadruck im Tester ansehen – läuft er zu Recht?
- PWM-Ansteuerung am Lüftermodul messen: Fordert das STG 100 %? Ja → Eingangsgrößen (NTC! Klimadrucksensor) prüfen – klassisch: KMT-Sensor meldet dauerhaft heiß.
- PWM niedrig, Lüfter rennt trotzdem voll → Lüftermodul-Endstufe defekt (klebt) → Modul/Lüfter ersetzen.
- Kein PWM (Leitung tot), Lüfter läuft → Notlauf mancher Module bei fehlender Ansteuerung (gewollt!) → erst Leitung reparieren, dann neu bewerten.
PWM-Aktuator ohne Funktion
- Versorgung am Aktuatorstecker unter Last prüfen (12 V/5 V je nach Typ).
- PWM-Signal da? 0 % dauerhaft → STG steuert nicht an (Freigabebedingung? Eingangssensor? Endstufe?) oder Leitung unterbrochen.
- 100 % dauerhaft → Kurzschluss der Leitung nach Masse (bei Low-Side-Ansteuerung) oder STG-Endstufe defekt.
- PWM ok → Strom messen: kein Strom → Spule/Motor unterbrochen; Strom da, keine Bewegung → mechanisch fest (Rampe ohne Bewegungs-Knick).
- Stellgliedtest des Testers nutzen: trennt sauber zwischen „STG will nicht" und „Aktuator kann nicht".
Sporadischer Fehler / Wackelkontakt
- Fehlerspeicher-Umgebungsbedingungen lesen: Wann/Temperatur/Last → Fehler reproduzierbar machen.
- Oszi mit hoher Speichertiefe im Roll-Modus auf die verdächtige Leitung; Trigger ggf. auf Aussetzer (Pulse-Width-/Dropout-Trigger, falls vorhanden).
- Systematischer Rütteltest: Kabelbaum abschnittsweise bewegen, Stecker leicht wackeln, dabei Bild beobachten – der Aussetzer zeigt den Ort.
- Thermisch: Heißluft/Kältespray auf Sensor/Stecker/STG – viele Defekte sind temperaturabhängig.
- Gefundene Stelle: Stecker öffnen, Crimpe/Pin-Spannkraft prüfen (Pin zieht sich nicht raus?), Korrosion, gebrochene Litze kurz vor dem Stecker (Biegestelle!).
- Nach Reparatur: gleiche Messung + Rütteltest wiederholen = Nachweis.
5-V-Referenzspannung
Was ist die 5-V-Referenz?
Das Steuergerät erzeugt aus den 12 V des Bordnetzes eine stabilisierte 5,00-V-Versorgung für seine Sensoren. Nur mit stabiler Referenz sind analoge Messwerte (Potis, Drucksensoren) überhaupt auswertbar – der Sensor liefert ja einen Anteil dieser 5 V zurück.
- Typische Verbraucher: MAP/Ladedrucksensor, Raildrucksensor, DK-/Pedalpotis, Öldrucksensor, DPF-Differenzdruck, Klimadrucksensor, AGR-/VTG-Lagesensoren.
- Mehrere Schienen: Moderne STG haben 2–3 getrennte 5-V-Regler (z. B. „Referenz A/B"). Ein Kurzschluss legt nur „seine" Schiene lahm – der Stromlaufplan zeigt, welche Sensoren zusammenhängen. Genau das nutzt man zur Eingrenzung!
- Profi: Sammelfehler wie P0641/P0651/P0697 (Referenz A/B/C Stromkreis) plus mehrere unplausible Sensor-DTCs gleichzeitig = fast immer Schienenproblem, nicht 5 defekte Sensoren.
Warum keine Prüflampe – und warum das STG abschaltet
- Eine Prüflampe zieht 50–300 mA – der 5-V-Regler liefert oft nur wenige 100 mA für ALLE Sensoren. Die Lampe zieht die Schiene herunter und kann den Regler beschädigen.
- Der Regler hat eine Strombegrenzung/Abschaltung: Bei Überlast (Kurzschluss eines Sensors!) schaltet er ab oder taktet. Schutzfunktion – aber alle Sensoren der Schiene melden gleichzeitig Unsinn.
- Messen nur hochohmig: Multimeter (10 MΩ) oder Oszi-Tastkopf.
Diagnose
- DMM: 5 V am Sensorstecker (Zündung ein) gegen Sensormasse: 4,9–5,1 V = gut.
- Oszi (DC, 1 V/div, dann AC 50 mV/div): Linie glatt? Ripple, Einbrüche, Takten sichtbar?
- Schiene tot: Sensoren der Schiene (Stromlaufplan!) einzeln abstecken – kommt 5 V zurück, war der zuletzt abgesteckte Sensor der Kurzschluss.
- Kein Sensor schuld: Leitungen gegen Masse prüfen (Scheuerstelle), erst zuletzt STG.
- Sporadisch: Roll-Modus + Rütteltest/Temperatur.
- Einbruch unter Last (nur wenn Sensor angesteckt): Sensor zieht zu viel → Sensor intern defekt.
- Ripple: Regler am Limit oder Einstreuung – Sensoren nacheinander abstecken, Schirmung/Masseführung prüfen.
- Periodisches Takten (Schiene bricht zyklisch auf ~0 V ein und versucht neu zu starten): Regler läuft in die Strombegrenzung → satter Kurzschluss auf der Schiene.
- Nur ohne Last vorhanden: 5 V am abgesteckten Stecker da, bricht beim Anstecken zusammen → hochohmige Leitung/Übergangswiderstand (Korrosion) ODER Sensor-Kurzschluss; Spannungsabfall über die Leitung messen entscheidet.
Masse- & Spannungsabfallmessung
Prinzip: Über den Widerstand „drüber" messen
Spannungsabfall = die ehrlichste Messung der Fahrzeugelektrik. Statt den Widerstand zu raten, misst man die Spannung, die über einem Leitungsabschnitt unter Strom abfällt. Ohne Strom kein Abfall – deshalb übersieht die stromlose Widerstandsmessung korrodierte Übergänge, die erst unter Last hochohmig werden.
- Plusseite: rote Messspitze an Batterie-Plus, schwarze an den Plus-Anschluss des Verbrauchers. Anzeige = Verlust über Leitung, Sicherung, Stecker, Relais.
- Masseseite: rote Spitze an Masseanschluss des Verbrauchers, schwarze an Batterie-Minus. Anzeige = Verlust über Massepfad (Schraubpunkt, Masseband).
- Richtwerte unter Last: Plusseite gesamt < ~0,3 V · Masseseite < ~0,1–0,2 V · einzelner Stecker/Übergang < ~50 mV · Massepunkt STG < ~100 mV.
Warum mit dem Oszi?
- Der spannende Abfall passiert im Moment des Stromstoßes (Starter-Einschaltspitze, Glüh-Anlauf, Lüfteranlauf) – das DMM mittelt das weg, das Oszi zeigt es.
- Wackelkontakte erzeugen sporadische Spitzen im Abfall – nur in der Zeitachse sichtbar (Rütteltest!).
- Setup: DC · 200 mV/div (empfindlich!) · Zeitbasis je nach Ereignis 100–500 ms/div · Single-Shot auf das Einschalten.
- Messung beim Starten: Abfall Masseband Motor–Karosserie während des Starterstroms: springt er über ~0,2–0,5 V, frisst das Masseband Startleistung (Symptom: träger Anlasser, „Batterie schon wieder leer").
- Glühkerzenkreis: Abfall über Zuleitung/GZS unter Glühstrom – 0,5 V Verlust bei 11 V Bordnetz sind ~5 % weniger Glühleistung pro Kerze.
- Kraftstoffpumpe: Abfall der Plusleitung unter Pumpenstrom – hochohmige Leitung = zu langsamer Pumpenlauf = Druckmangel unter Last (klassischer „nur bei Volllast"-Fehler).
Fehlerbild-Datenbank
Die 22 wichtigsten Fehlerbilder – unabhängig vom Bauteil. Jedes Bild mit elektrischer, mechanischer und Steuergeräte-Ursache, Prüfstrategie und Verwechslungsgefahr. Antippen zum Aufklappen.
Glossar
Begriffe von A–Z. Suchfeld oben rechts findet auch Glossareinträge.
Abdeckungs-Checkliste
Selbstprüfung des Kompendiums gegen das Lastenheft:
| Anforderung | Wo |
|---|---|
| Wichtige Sensoren (KW, NW, LMM, MAP, NTC, Drücke, Raddrehzahl, Klopf, Positionen …) | Messkarten → Filter „Sensor" |
| Wichtige Aktuatoren (Injektoren alle Arten, Zündung, PWM-Ventile, Stellmotoren, Pumpen, Glühen, Starter, Generator, Relais) | Messkarten → Filter „Aktor" |
| Vorkat- UND Nachkatsonde inkl. Kat-Wirkungsprüfung | Messkarten Lambda + Komplex |
| CAN & LIN besonders detailliert, alle weiteren Busse | Bussysteme |
| Master/Slave & Datenpakete erkennen | Bussysteme (eigene Kapitel) |
| Oszi-Einstellungen für jede Messung | Einstellungs-Tabelle + jede Messkarte |
| Gut- und Fehlerbilder mit Warum-Erklärung | Messkarten (Umschalter) + Fehlerbild-DB |
| Ursachen & Lösungen + Gegenprüfung + Plausibilität | Jede Messkarte, Felder 13–16 |
| Komplexe Mehrkanalmessungen | Kapitel „Komplex" |
| 22 Schritt-für-Schritt-Prüfpläne | Kapitel „Prüfpläne" |
| 5-V-Referenz & Masse/Spannungsabfall | Eigene Kapitel |
| Mobil lesbar, offline, eine Datei, Suche, Filter, Einsteiger/Profi-Modus | App-Funktionen (Kopfzeile) |
| Warnhinweise & Richtwert-Kennzeichnung & „schematisch"-Stempel | Durchgängig (rote Boxen, Disclaimer, Stempel im Bild) |